2022 hat’s sich schon deutlich abgezeichnet: Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. Nicht mehr die Betriebe wählen die Bewerber: Die Bewerber wählen die Betriebe. 2023 wurde das Ganze dann richtig spürbar. Auf einmal bleiben Ausbildungsplätze leer, Bewerbungen trudeln zögerlich ein, und viele Unternehmen merken: „Oh, wir müssen was tun.“
Früher war das undenkbar. Heute ist es Realität.
Der Bewerbermarkt ist da – und bleibt
Viele Azubis wissen inzwischen genau, was sie wollen. Sie informieren sich online, vergleichen Arbeitgeber, lesen Bewertungen, scrollen durch Instagram-Profile und fragen Freunde: „Wie ist’s bei euch so?“
Wenn sie sich bewerben, dann gezielt und meistens nur bei wenigen Betrieben, die ihnen sympathisch vorkommen. Und diese Auswahl ist kein Zufall. Sie basiert auf Gefühl, Werten und Benefits.
Kurz gesagt: Ausbildungsbetriebe stehen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit, Vertrauen und Begeisterung.
Wenn Bewerbungen ausbleiben, hilft kein Abwarten
Viele Unternehmen fragen sich: „Wo sind die ganzen Bewerber geblieben?“
Die Antwort ist einfach: Sie sind da, nur bewerben sie sich anders. Weniger spontan, weniger breit, und nur, wenn sie sich wirklich angesprochen fühlen.
Das bedeutet: Wer weiterhin mit Standardtexten und altmodischen Stellenanzeigen arbeitet, fällt durchs Raster. Junge Menschen wollen heute echte Einblicke, keine Floskeln. Sie wollen sehen, wer da arbeitet, wie man miteinander umgeht, was sie erwartet und warum es sich lohnt, genau dort einzusteigen.
Was Betriebe jetzt tun können
- Ehrlich und sichtbar werden.
Zeig, wie euer Alltag aussieht. Fotos, kurze Videos, echte Stimmen aus dem Team – kein Hochglanz-Marketing, sondern Echtheit.
Auch die Stellenanzeigen sollten geprüft werden. Sind wir attraktiv, transparent, frisch und einladend?
Hier gibt es die 11 Tipps für die besten Azubi-Stellenanzeigen. - Kommunikation auf Augenhöhe.
Bewerber:innen wollen kein „Sehr geehrte Frau Mustermann“, sondern ein unkompliziertes, freundliches „Hi, schön, dass du da bist!“ - Schnelle Reaktionen.
Wer erst nach drei Wochen antwortet, hat verloren. Reaktionsgeschwindigkeit ist heute ein entscheidender Faktor. - Benefits statt BlaBla.
Geld allein zieht nicht mehr. Junge Leute wollen Sinn, Entwicklung, Spaß und Wertschätzung.
Benefits – mehr als nur ein Obstkorb
„Benefits“ klingt immer nach hippen Großkonzernen mit Kickertisch und Smoothiebar. Aber darum geht’s gar nicht. Es geht darum, jungen Menschen das Gefühl zu geben, dass sie wichtig sind.
Benefits sind Signale:
➡️ Wir kümmern uns um dich.
➡️ Wir investieren in dich.
➡️ Wir wissen, dass Ausbildung heute anders funktioniert.
Und das kann jedes Unternehmen, egal ob Handwerksbetrieb, Pflegeeinrichtung oder Industriebetrieb.
🧭 Checkliste: 15 attraktive Benefits für Azubis
Hier sind 15 Ideen, mit denen du deinen Betrieb für Azubis spürbar attraktiver machen kannst:
- Azubi-Onboarding-Tage
Ein gemeinsamer Start schafft Vertrauen. Plane Kennenlern-Tage, Teamspiele oder kleine Azubi-Projekte zum Einstieg. - Azubi-Pate oder Mentorenprogramm
Eine feste Ansprechperson hilft, Unsicherheiten zu vermeiden und stärkt die Bindung ans Unternehmen. - Flexiblere Arbeitszeiten (wo möglich)
Gerade im Sommer mal später anfangen oder früher gehen, kleine Freiräume wirken Wunder. - Übernahmegarantie bei guten Leistungen
Sicherheit ist ein starker Motivator. Wer weiß, dass er bleiben darf, gibt mehr Gas. - Zuschuss zum Führerschein oder Deutschlandticket
Mobilität ist für viele Azubis ein echter Kostenfaktor. Jeder Euro Unterstützung zählt. - Azubi-Handy, Tablet oder Laptop
Digitale Ausstattung zeigt: Ihr arbeitet modern und vertraut euren Azubis Verantwortung an. - Kostenlose Getränke & Snacks
Klingt banal, ist aber ein echter Wohlfühlfaktor. - Azubi-Events & Teamausflüge
Gemeinsame Aktionen stärken das Wir-Gefühl und bleiben im Kopf. - Lernzeit im Betrieb oder Prüfungsvorbereitungskurse
Wer beim Lernen unterstützt wird, fühlt sich ernst genommen. - Gesundheitsangebote
Zuschüsse fürs Fitnessstudio, kleine Sportchallenges oder Gesundheitschecks – zeigen, dass du dich kümmerst. - Individuelle Entwicklungsgespräche
Regelmäßiges Feedback und echte Perspektiven sind wichtiger als jede Gehaltserhöhung. - Social-Media-Mitgestaltung
Lass Azubis selbst Inhalte für Instagram oder TikTok machen. Das zeigt Vertrauen und gibt ihnen Verantwortung. - Faire Vergütung + kleine Extras
Ein Geburtstagsgutschein, Tankgutschein oder Bonus fürs Bestehen der Zwischenprüfung wirkt stärker, als man denkt. - Respektvolle Fehlerkultur
Wer in der Ausbildung lernt, wird Fehler machen. Entscheidend ist, wie man damit umgeht und nicht, dass sie passieren. - Frühzeitiges Preboarding
Nach der Zusage nicht verschwinden! Kontakt halten, kleine Geschenke, WhatsApp-Gruppen, Azubi-Infotage, das hält die Verbindung.
Fazit: Nähe schlägt Hochglanz
2023 hat gezeigt: Ausbildungsmarketing ist keine Einbahnstraße mehr. Unternehmen, die Nähe, Wertschätzung und echte Entwicklung bieten, gewinnen. Die anderen bleiben auf ihren freien Plätzen sitzen.
Es geht nicht darum, der coolste oder teuerste Arbeitgeber zu sein, sondern der ehrlichste und aufmerksamste.
Denn am Ende entscheiden Azubis nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch.
Und der sagt:
„Da fühl ich mich wohl – da will ich hin.“
Foto von Mikhail Nilov / Pexels.com

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