2021 war kein normales Jahr – die Folgen der Corona Pandemie haben sich durchgezogen, und das spürte man auch auf dem Ausbildungsmarkt. Man konnte aber auch erste Lichtblicke sehen: das Angebot an Lehrstellen fing an, sich zu erholen; aber die Nachfrage seitens der Jugendlichen blieb hinter den früheren Niveaus zurück.
Die Zahlen – so sah’s aus
Hier sind ein paar zentrale Eckdaten, damit klar wird, worüber wir reden:
- Angebot an Ausbildungsstellen: 2021 wurden etwa 536.200 betriebliche Ausbildungsstellen angeboten. Das ist ein Plus von rund 1,7 % im Vergleich zu 2020.
- Verglichen mit 2019 (vor Corona) ist das Niveau aber deutlich niedriger: Damals lagen die angebotenen Stellen noch bei ca. 578.200.
- Nachfrage nach Ausbildungsplätzen: Die Zahl der Jugendlichen, die einen dualen Ausbildungsplatz suchten, sank im Vergleich zu 2020 um etwa 0,9 % auf rund 540.900.
- Allerdings: Viele Ausbildungsstellen blieben unbesetzt – 63.200 im Jahr 2021, etwa 5,4 % mehr als im Vorjahr.
- Der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen im Verhältnis zum Gesamtangebot war 2021 bei ca. 12,2 %. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Anteil bei ~9,4 %, 2020 bei ~11,7 %.
Corona-Effekte & Jugendsicht: Sorgen, Verunsicherung & neue Prioritäten
Corona hat nicht nur Zahlen beeinflusst, sondern vor allem die Stimmung, Erwartungen und Unsicherheiten.
- In Befragungen (z. B. der Bertelsmann Stiftung) geben über 70 % der Jugendlichen an, dass sie der Meinung sind, Corona habe ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verschlechtert. Bei Jugendlichen mit niedriger Schulbildung sind es über 78 %.
- Viele fühlen sich verunsichert: Ob Ausbildungsplatz, ob sie überhaupt einen Betrieb finden, ob sie die Ausbildung gut abschließen können.
- Jugendliche mit niedriger oder mittlerer Schulbildung haben teils besonders große Sorgen. Teilweise glauben sie, dass es zu wenig Ausbildungsplätze gibt.
- Auf der anderen Seite: Die Attraktivität einer dualen Ausbildung bleibt bestehen. Viele sehen in einer Ausbildung gute Chancen, auch weil Studium nicht für jeden das Richtige ist und Ausbildung praktische Perspektiven bietet.
Was funktioniert besser – kleine Erholungszeichen
Trotz Corona und Unsicherheit gab es auch positive Entwicklungen:
- Das Angebot an Ausbildungsplätzen stieg – der Rückgang, den es 2020 gab, wurde zumindest teilweise kompensiert.
- Die Nachfrage sank, aber nicht dramatisch – es ist eher ein langsames Zurückgehen; nicht der Absturz, den man befürchtet hatte.
- Die Passungsprobleme – also: Es gibt Ausbildungsstellen, aber nicht die passenden Bewerber – sind stärker sichtbar geworden. Damit verbunden: Betriebe und Jugendliche treffen sich nicht immer, entweder wegen Anforderungen, Erwartungen oder Rahmenbedingungen.
Die Schwierigkeiten – wo’s hakt
Ein paar Baustellen, bei denen Lehrbetriebe aufpassen sollten:
- Unbesetzte Stellen
Trotz wachsendem Angebot blieben viele Lehrstellen offen. Das liegt oft daran, dass die Anforderungen der Betriebe nicht mit dem Profil der Bewerber zusammenpassen – z. B. bestimmte schulische Voraussetzungen, Sprachkenntnisse oder Erfahrung. - Niedrige Nachfrage
Die Zahl der Bewerber sank – demografische Gründe spielen mit hinein (weniger Schulabgänger), aber auch die Coronapandemie machte Informations und Recruiting prozesse schwerer (z. B. weniger Praktika, weniger persönliche Kontakte, Unsicherheit). - Verunsicherung & Perspektivängste bei Jugendlichen
Wenn junge Menschen Angst haben, keinen Ausbildungsplatz zu kriegen, beeinträchtigt das ihre Entscheidungen – manche verschieben oder verzichten, überlegen Studium statt Lehre, suchen in verwandte Berufe etc. - Digitalisierung & Berufsorientierung
Viele Betriebe und Schulen haben auf digitale Formate umgestellt – aber nicht alle haben gleich gut funktioniert. Und vor allem: Jugendliche nehmen wahr, dass Berufsorientierung, Beratung oder praktische Erfahrungen oft eingeschränkt waren. Das schwächt die Verbindung zwischen Angebot & Nachfrage.
Was Lehrbetriebe mitnehmen sollten – Impulse & Tipps
Damit Ausbildung auch unter Corona-Bedingungen gut funktioniert und Bewerber:innen sich motiviert fühlen, hier ein paar Ideen aus der Praxis:
Sichtbar sein & Vertrauen schaffen
- Frühzeitig in Schulen, bei Berufsmessen, online präsent sein. Zeigt, was ihr macht, wie der Alltag aussieht, was ihr verlangt, was ihr bietet.
- Online Formate nutzen: Virtuelle Schnuppertage, Videos über den Betrieb, Azubi Testimonials. Gerade in Corona Zeiten sind persönliche Begegnungen nicht immer möglich, da helfen alternative Formate.
Anforderungen & Anforderungen kommunizieren
- Prüft, ob alle Anforderungen wirklich nötig sind (z. B. zu hohe schulische Leistungen oder Vorkenntnisse). Manchmal kann ein größerer Fokus auf Motivation, Soft Skills, Lernbereitschaft sinnvoll sein.
- Macht transparent, worauf Bewerber:innen vorbereitet sein sollten (z. B. digitales Arbeiten, technisches Verständnis, Sprachkenntnisse), damit sie sich einschätzen können.
Mehr Unterstützung & Flexibilität
- Bietet Unterstützung an – z. B. bei digitalen Fertigkeiten, Sprachförderung, gute Beratung, vielleicht Einstiegskurse.
- Flexiblere Ausbildungsmodelle prüfen, z. B. kürzere Wege in die Praxis, Lernabschnitte, Teilzeitausbildung, wenn möglich.
Pflege und Ausbau der Zusammenarbeit Schule ↔ Betrieb
- Kooperation mit Schulen verstärken, damit Berufsvorbereitung und Information besser laufen (z. B. Praktika, Lehrerinfo, Betriebsbesichtigungen).
- Betriebe, die schulische Lücken erkennen (z. B. Digitalisierung), können mitgestalten, z. B. Projektarbeiten, gemeinsame Schul Betriebsprogramme.
Azubi Perspektiven & Arbeitsplatzkultur
- Jugendlichen zeigen: Bei euch lohnt sich Ausbildung – nicht nur wegen Sicherheit, auch wegen Entwicklung, guten Bedingungen, Übernahmechancen.
- Klima & Feedback sind wichtig: Wer sich wertgeschätzt fühlt, bleibt eher. Freundliches, unterstützendes Miteinander hilft.
Fazit: Lehrjahre mit Blick nach vorne
2021 war ein Jahr, in dem sich der Ausbildungsmarkt langsam erholte von den Schocks 2020 – aber es war keineswegs wieder „normal“. Angebot und Nachfrage lagen noch unter dem Niveau vor Corona, viele Jugendliche waren verunsichert, und Lehrbetriebe mussten kreativ sein, um Azubis zu finden.
Für Ausbildungsbetriebe heißt das: Möglichst offen bleiben, gute Kommunikation, attraktive Angebote und flexible Wege. Wer das kombiniert mit Qualität, Wertschätzung und Perspektive, hat gute Chancen, nicht nur Stellen zu besetzen – sondern Lehrlinge zu finden, die bleiben, wachsen und später übernehmen.

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