Im Frühjahr 2020 hat sich unser Alltag mit einem Schlag verändert. Von einem Tag auf den anderen war alles anders: Lockdown, Homeoffice, Kontaktbeschränkungen – und mittendrin: der Ausbildungsmarkt. Schüler*innen auf Ausbildungssuche standen plötzlich vor einem dichten Nebel aus Fragezeichen. Und Unternehmen? Die mussten sich ziemlich schnell neu sortieren.
In diesem Artikel blicke ich auf die ersten Monate nach dem Corona-Ausbruch zurück – was ist passiert, wie haben sich Betriebe angepasst, und was hat das alles für den Ausbildungsstart 2020 bedeutet?
🔕 Woche 1: Lockdown. Stille auf dem Ausbildungsmarkt.
Als Mitte März der erste Lockdown kam, stand der Ausbildungsmarkt erst mal still. Bewerbungen? Kaum. Vorstellungsgespräche? Fehlanzeige. Die Prioritäten lagen ganz woanders: Unternehmen kämpften ums Überleben, Mitarbeiter*innen wurden ins Homeoffice geschickt oder in Kurzarbeit geschickt. Die Organisation des Arbeitsalltags wurde komplett umgebaut – da war ans Recruiting erstmal nicht zu denken.
Auch die Jugendlichen waren verunsichert: Wie schreibe ich jetzt eine Bewerbung, wenn ich gar nicht weiß, ob die Ausbildung überhaupt stattfindet? Was ist mit den Prüfungen? Schulen waren geschlossen, Abschlussprüfungen verschoben oder unklar. Viele Jugendliche froren ihre Pläne erstmal ein – aus Angst, etwas falsch zu machen.
Ausbildungs- und Lehrlingsportale gaben Informationen zu Ausbildung und Corona, u.a. auch online per Podcast.
💻 Die ersten zwei Wochen: Krisenmodus bei Unternehmen und Jugendlichen
In dieser Anfangsphase herrschte Unsicherheit auf allen Seiten. Unternehmen mussten sich organisatorisch neu aufstellen – mit Hygienekonzepten, Gruppenarbeit, Homeoffice und digitalen Tools. Manche Betriebe, vor allem kleine oder bereits wirtschaftlich schwache, rutschten direkt in die Insolvenz. In vielen Fällen blieben die Ausbildungsplätze zwar theoretisch bestehen, aber es war unklar, ob sie auch tatsächlich besetzt werden konnten.
Auch auf Bewerberseite war erstmal Schockstarre angesagt. Schulpraktika wurden abgesagt, Berufsberatung fiel aus, Messen wurden gestrichen. Schüler*innen wussten weder, wann sie ihre Prüfungen schreiben würden, noch wie oder wann sie sich bewerben sollten. Die Frage „Wie geht es mit meiner Zukunft weiter?“ blieb unbeantwortet.
Einzelne Unternehmen und Plattformen reagierten schnell und passten ihre Prozesse an. Es gab erste Infos auf Karrierewebsites, Podcasts und Beiträge zum Thema „Ausbildung & Corona“. Aber das war eher die Ausnahme als die Regel.
🐰 Osterzeit = Ferienzeit? Von wegen.
Auch über Ostern blieb die Bewerberlage angespannt. Zwar gab es inzwischen Regelungen zu den Abschlussprüfungen, doch die Unsicherheit blieb. In den Medien wurde zwar ständig über Schulen und Prüfungen berichtet – aber die Frage, wie es mit Ausbildungen 2020 weitergeht, wurde kaum thematisiert.
Viele Unternehmen begannen nun, ihre Bewerbungsprozesse digitaler zu gestalten: Telefoninterviews, Videocalls, Online-Einstellungstests. Einige wiesen auch endlich auf ihren Karriereseiten darauf hin. Aber diese Infos waren oft schwer zu finden – besonders für Jugendliche, die zum ersten Mal überhaupt mit Bewerbungen zu tun hatten.
Dazu kam: Erste Ausbildungsverträge wurden wieder aufgelöst – besonders in Gastronomie und Hotellerie. Kleinere Betriebe, die unter der Corona-Krise besonders litten, konnten ihre Zusagen nicht halten. Eine echte Katastrophe für betroffene Jugendliche.
Systemrelevante Berufe wie Pflege, Handel oder Logistik waren hingegen weniger betroffen – und erhielten sogar mehr Aufmerksamkeit und Bewerbungen. Die mediale Präsenz dieser Berufe machte sie plötzlich attraktiver – ein echter Imagewandel.
🌷 Mai: Frühlingserwachen auf dem Azubi-Markt
Ab Mai kommt dann langsam wieder Bewegung ins Spiel. Mit den ersten Lockerungen steigt die Zahl der Bewerbungen deutlich an. Vor allem Ausbildungsplätze im Gesundheitswesen, im Einzelhandel oder in der IT-Branche werden wieder verstärkt nachgefragt.
Viele Unternehmen haben sich nun besser auf die Situation eingestellt:
- Videointerviews werden zur neuen Normalität
- Online-Tests ersetzen persönliche Einstellungstests
- Karrierewebseiten bekommen Corona-Hinweise
- Social Media wird verstärkt für Ausbildungsmarketing genutzt
Auch auf der anderen Seite werden Jugendliche wieder aktiver. Die Erkenntnis setzt sich durch: „Corona ist nicht in zwei Wochen vorbei – ich muss trotzdem was für meine Zukunft tun.“
Was aber weiterhin fehlt: Eine klare Kommunikation in Stellenanzeigen. Viel zu viele Unternehmen versäumen es, offen über Bewerbungsfristen, digitale Prozesse oder geänderte Abläufe zu informieren. An dieser Stelle möchte ich auf den Artikel von Henner Knabenreich (Personalmarketing 2Null) hinweisen. // Update: Bitte auch diesen Artikel beachten: Stellenanzeigen und Corona.
⛅ Und jetzt? Prognose für den Ausbildungsbeginn 2020
Auch wenn sich die Lage ab Mai beruhigt – von echter Normalität ist der Ausbildungsmarkt 2020 weit entfernt. Viele Jugendliche bewerben sich später als sonst, oder erst auf den allerletzten Drücker. Viele Betriebe verlängern ihre Bewerbungsphasen oder verschieben sogar den Ausbildungsbeginn.
Was sich abzeichnet:
- Es wird einen Last-Minute-Ausbildungsmarkt wie selten zuvor geben.
- Ein Ausbildungsstart im Oktober wird für viele realistisch – statt wie üblich im August oder September.
- Die Berufsschulen müssen flexibler werden – mehr Nachmeldungen, gestreckte Inhalte, hybrider Unterricht.
- In systemrelevanten Berufen wird vermehrt ausgebildet, während Branchen wie Gastronomie, Tourismus oder Automobilbranche weiter zögern.
⁉️ Fazit: Krisenzeit = Wandelzeit
Die ersten Monate nach Corona waren für den Ausbildungsmarkt eine echte Zerreißprobe – aber auch ein Weckruf. Digitale Bewerbungsverfahren, mehr Transparenz, flexiblere Kommunikation – all das war plötzlich nicht mehr „nice to have“, sondern absolut notwendig.
Für Unternehmen hieß das: Wer in Krisenzeiten erreichbar, sichtbar und flexibel war, hatte klare Vorteile bei der Azubisuche. Und für Jugendliche zeigte sich: Wer den Mut hatte, trotzdem aktiv zu werden, konnte sich gute Chancen sichern – auch in unsicheren Zeiten.
Corona hat die Ausbildung 2020 kräftig durchgeschüttelt. Aber wie so oft gilt: Wo sich Dinge verändern, entstehen auch neue Möglichkeiten. Und viele der digitalen Entwicklungen aus dieser Zeit sind gekommen, um zu bleiben.
Foto von Karolina Grabowska / Pexels.com

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