Kurzvorweg: 2025 ist der Ausbildungsmarkt kein „einfaches Problem“ mehr. Er ist ein Flickenteppich. Manche Bundesländer haben mehr Bewerber als Plätze, in anderen sitzen Firmen ratlos vor unbesetzten Lehrstellen. Häufig sind die Ursachen dieselben (Konjunktur, Passungsprobleme, Demografie), die Ausprägung aber regional sehr verschieden. Jetzt zum konkreten Länderüberblick.
Baden-Württemberg
Kurz: Anspruchsvoll, viele Betriebe melden aber langsam weniger Neuverträge. Es gibt Besetzungsprobleme bei kleinen Firmen.
Details: IHK-Umfragen aus BW zeigen, dass Betriebe trotz guter Konjunkturbasis Rückgang bei neu abgeschlossenen Verträgen melden und viele freie Stellen bis spät besetzt werden müssen. Besonders kleinere Firmen berichten über Schwierigkeiten bei der Besetzung und bei der Bewerber-Passung.
Bayern
Kurz: Noch insgesamt mehr Stellen als Bewerber, aber regional hohe Lücken und viele unbesetzte Plätze Ende Sommer. Insgesamt sind die Stellenzahlen leicht rückläufig.
Details: Bayern verzeichnete 2025 weniger gemeldete Ausbildungsstellen (minus rund 5 %), während Bewerberzahlen leicht stiegen. Trotzdem stehen (vor allem in bestimmten Branchen und Regionen) viele Lehrstellen unbesetzt, ein Hinweis auf Passungsprobleme (Berufswahl, Qualifikation).
Berlin
Kurz: Viele Bewerber aber Probleme bei der Meldung: Unternehmen melden Stellen oft nicht oder unregelmäßig, was die Vermittlung erschwert.
Details: Umfragen zeigen: Ein großer Teil der Berliner Unternehmen meldet Ausbildungsstellen nicht regelmäßig bei der Arbeitsagentur; das verzerrt die offiziellen Zahlen und erschwert die Zuordnung von Bewerbern zu freien Plätzen. Ergebnis: Auf dem Papier teilweise Bewerberüberhang jedoch in der Realität viele Vermittlungslücken.
Brandenburg
Kurz: Ländliche Herausforderungen: Betriebe klagen über zu wenig passende Bewerbungen, Abwanderung in Stadträume bleibt Thema.
Details: In Brandenburg spielen regionale Abwanderung und damit ein kleinerer Pool potenzieller Azubis eine Rolle; kleinere und mittelständische Betriebe finden oft schlecht geeignete Bewerber (vgl. Trends in Ostbundesländern). (Quelle: BA-Regionberichte & DIHK-Trends).
Bremen
Kurz: Kleiner Markt, aber sichtbar viele offene Angebote. Viele Stellen über Jobportale, trotzdem Matching-Fragen.
Details: Bremen zeigt zahlreiche ausgeschriebene Lehrstellen in Onlineportalen und Verwaltungsangeboten, für Bewerber gibt es Auswahl, doch regionale Branchen (z. B. Verwaltung, Handel) konkurrieren um Kandidaten.
Hamburg
Kurz: Stadt mit viel Angebot an bestimmten Ausbildungswegen (z. B. Sozial/Handel/Logistik), gleichzeitig große Berufsvorbereitung- und Integrationsaufgaben.
Details: Hamburg hat viele berufsbildende Schulen und spezielle Programme; zugleich steigen Berufsorientierungs- und Vorbereitungskurse, um Jugendliche für duale Ausbildungen fit zu machen. Das hilft der Vermittlung, löst aber nicht alle Passungsprobleme.
Hessen
Kurz: Typischer „Beispielstaat“ für das neue Phänomen: in Teilen mehr Bewerber als Lehrstellen. Gleichzeitig bleiben in anderen Branchen Plätze offen.
Details: Landesdaten und Medienberichte zeigen: Bewerberzahlen stiegen, gemeldete Ausbildungsstellen sanken — Ergebnis: in manchen Regionen Bewerberüberhang, in anderen unbesetzte Plätze. Ursache: Mischung aus Branchenpräferenzen, Meldeverhalten und Qualifikationsfragen.
Mecklenburg-Vorpommern
Kurz: Ländlich, spürbarer Bewerbermangel für manche Berufe: Betriebe finden häufig keine Bewerbungen.
Details: In einigen Landkreisen bleiben Ausbildungsplätze lange unbesetzt; Firmen klagen, dass Bewerbungen ausbleiben oder nicht passen. Demografie und Wegzug junger Menschen verschärfen das Problem.
Niedersachsen
Kurz: Regionale Unterschiede, einige Bezirke mit Bewerberüberhang, andere mit Besetzungsproblemen; viele Betriebe beklagen mangelnde Ausbildungsreife.
Details: IHK-Umfragen zeigen: ein relevanter Anteil der Firmen konnte 2025 nicht alle Plätze besetzen; oft fehlen Deutsch-/Mathe-Skills oder „weiche“ Kompetenzen.
Nordrhein-Westfalen (NRW)
Kurz: Großer Markt, starke Gegensätze: Viel Angebot in manchen Regionen, gleichzeitig bundesweit viele unbesetzte Stellen. Insgesamt besteht ein leichter Bewerberüberhang.
Details: NRW ist ein Paradebeispiel für die Zwitterlage: Rekordzahlen an Bewerbern in einigen Bezirken, aber auch tausende freie Stellen (z. B. Meldungen über 36.000 freie Stellen in einzelnen Regionen). Insgesamt kamen 2025 in NRW etwas mehr Bewerber als gemeldete Ausbildungsstellen — also: Matching wird wichtig.
Rheinland-Pfalz
Kurz: Gemischtes Bild. Der Mittelstand sucht, Städte liefern Bewerber, ländliche Regionen kämpfen mit Abwanderung.
Details: Zahlreiche IHK-Hinweise deuten auf regionale Lücken; viele freie Plätze hängen vom spezifischen Berufsbild und Standort ab. (Quelle: regionale IHK-Meldungen und BA-Berichte).
Saarland
Kurz: Kleiner Markt, aber sichtbar offene Stellen. Matching und Mobilität sind Knackpunkte.
Details: Im Saarland bleiben einige Plätze offen; wegen geringer Größe des Landes ist die Mobilität (Pendeln, Umzug) ein Thema für Betriebe und Bewerber gleichermaßen. Online-Stellenportale zeigen mehrere hundert Angebote.
Sachsen
Kurz: Paradox: Tausende freie Stellen und gleichzeitig viele unversorgte Jugendliche — Passungsproblem und regionale Spezifika.
Details: Sachsen verzeichnet sowohl unbesetzte Lehrstellen als auch Jugendliche ohne Platz. Oft liegt das an falschen Berufspräferenzen, fehlender Mobilität oder an Anforderungen der Betriebe.
Sachsen-Anhalt
Kurz: Ländlich strukturiert, viele kleine Betriebe, häufiges Problem: zu wenige passende Bewerbungen.
Details: Wie in vielen Ost-Bundesländern sind Demografie, Abwanderung und Branchenstruktur starke Einflussfaktoren; Betriebe melden Besetzungsprobleme für bestimmte gewerbliche Berufe. (Quelle: regionale BA-/IHK-Berichte).
Schleswig-Holstein
Kurz: Saisonale und strukturelle Unterschiede: Tourismus/Handwerk stellen, aber Fachkräfte fehlen lokal.
Details: Küstenregionen und Tourismusbranchen zeigen Bedarf, ländliche Handwerksbetriebe suchen Azubis; Pendelbereitschaft spielt eine Rolle. (Quelle: BA-Regionberichte).
Thüringen
Kurz: Rückgang gemeldeter Plätze, leichte Steigerung der Bewerber. Am Ende stehen noch Hunderte Jugendliche ohne Platz.
Details: Zahlen: Zwischen Okt 2024 und Sept 2025 wurden rund 11.500 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet (etwa 700 weniger als Vorjahr); Bewerberzahlen stiegen leicht. Trotzdem suchten Ende Berichtszeitraum noch mehrere hundert Jugendliche einen Platz.
Was fällt auf? Die fünf wichtigsten Muster
- Mismatch > Mengenproblem — oft geht es nicht um zu wenige Stellen oder Bewerber, sondern um falsche Passung (Berufswunsch vs. Angebot).
- Kleinbetriebe leiden stärker — weniger Ressourcen für Recruiting/Betreuung = höhere Ausfallrate bei Besetzung.
- Regionale Demografie schlägt zu — ländliche Ost-Regionen haben häufiger echte Bewerberlöcher.
- Meldeverhalten verzerrt Zahlen — wenn Firmen Stellen nicht melden (z. B. Berlin), entstehen Vermittlungsblinde Flecken.
- Konjunktur wirkt durch — wirtschaftliche Unsicherheit führt zu weniger ausgeschriebenen Plätzen in manchen Branchen.
Kurze To-Do-Liste
- Schulen: frühere, realistischere Berufsorientierung (Praktika, Betriebspartnerschaften).
- IHK/Agentur: bessere digitale Matching-Tools, gezielte Nachvermittlungs-Aktionen.
- Politik: Förderungen/Anreize für kleine Betriebe, Mobilitätshilfen für Azubis (Wohnen/Pendeln).
- Betriebe: flexible Profile, breitere Eignungskriterien, Kooperationen mit Schulen.
(Quellen: DIHK/Bundesagentur für Arbeit / IHK-Reports). (DIHK)
Quellen
- Bundesagentur für Arbeit — „Mismatch auf dem Ausbildungsmarkt hält an“ (Presseinfo/Auswertungen). (Bundesagentur für Arbeit)
- NRZ / Landesmeldungen NRW — „36.000 freie Stellen in NRW trotz mehr Bewerbern“ (Bericht Juli 2025). (NRZ)
- vbw / Bayern / BA-Berichte — Lage Bayern (August/September 2025). (vbw)
- Hessenschau / FAZ — Berichte zu Hessen (Herbst 2025). (DIE WELT)
- IHK Region Stuttgart — Ausbildungsumfrage & regionale Analysen (2025). (Industrie- und Handelskammer)
- Zeitungs-/Agenturmeldungen zu Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin (versch. Presseartikel / BA-Reports). (DIE WELT)
- DIHK Ausbildunsumfrage 2025 (Bundesweit). (DIHK)
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