Lehrlingsmarketing in Südtirol 2021

Lehrlinge gewinnen, motivieren und langfristig halten. Das ist eine Herausforderung, vor allem in Regionen wie Südtirol, wo Sprachen, Kultur, Berglage etc. eigene Besonderheiten mitbringen. Lehrlingsmarketing (oder Ausbildungsmarketing) meint alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen, Schulen und Politik Jugendliche auf die duale Berufsausbildung aufmerksam machen und sie dafür begeistern.

2021 war so ein Jahr, in dem viele Akteure angefangen haben, kreativer zu sein, weil einfach klar wurde: klassische Wege allein reichen nicht mehr. Hier einige Best-Practice-Beispiele aus Südtirol (oder der Euregio) und einige davon grenzüberschreitend, die 2021 sichtbar waren oder beginnen.


Best-Practice-Beispiele aus Südtirol und Umgebung

Ich konnte zwar nicht für alle Beispiele hieb und stichfest Daten finden, aber ein paar tolle Initiativen sind mir über die Recherchen begegnet, plus Ableitungen aus generellen Maßnahmen, die sich als wirksam erwiesen haben. Leider gab es keine konkrete Einzelmaßnahmen von Lehrbetrieben, die auffielen.

  1. Lehrlingspakt & duale Ausbildung stärken
    Mit dem Lehrlingspakt, den die Südtiroler Landesregierung und Sozialpartnern (z. B. Kammern, Wirtschaft etc.) auf den Weg gebracht haben, wurde konkret das Ziel verfolgt, die duale Ausbildung sichtbarer zu machen und attraktiver zu gestalten.
    Die Idee: Jugendlichen die Vorteile einer Lehre zeigen, Lehrbetriebe entlasten, und Anreize setzen. Es scheint zu wirken, es gab Anstiege bei Einschreibungen in Lehre. Südtirol News
  2. Förderprämien für Lehrbetriebe
    Ein gutes Beispiel: Die Lehrlingsprämie („Neu: Lehrlingsprämie für Betriebe“) – Betriebe erhalten (je nach Bedingungen) eine finanzielle Förderung, wenn sie Lehrlinge ausbilden und diese die Lehrabschlussprüfung bestehen.
    Das ist ein klarer Anreiz: Ausbildung kostet Aufwand. Wenn man da Hilfe bekommt, sinkt die Hürde. Und das motiviert Unternehmen, sich zu engagieren.
  3. Kooperation Schule ↔ Betrieb / duale Ausbildung als Brücke
    Ein Beispiel ist das „Ausbilderforum“ in der Euregio Tirol Südtirol Trentino und andere Schul-Betriebs-Kooperationen. Workshops, Veranstaltungen, Informations Tage etc., bei denen AusbilderInnen und Lehrkräfte zusammenkommen, um Ausbildungskonzepte zu diskutieren, Probleme auszutauschen. Land Tirol
  4. Digitale Sichtbarkeit & Plattformen
    Ob über Berufs Check Tools, Lehrstellensuchmaschinen oder Portale wie AUBI plus – jede Plattform, die Jugendliche aktiv nutzen, ist wichtig. In Südtirol wird AUBI plus als eine der Anlaufstellen genannt, um Lehrstellen zu finden. Auch generelle Tipps (aus dem Ausbildungsmarketing etc.) betonen, wie wichtig Websites, Social Media, einfache Bewerbungswege sind.
  5. Öffentlichkeitsarbeit & Imageprofilierung
    Manche Betriebe oder Institutionen haben es geschafft, Lehrlingsausbildung als Teil ihrer Unternehmens DNA sichtbar zu machen, durch „gute Stories“, durch Events, Tage der offenen Tür, etc. Diese Maßnahmen fördern das Vertrauen bei Jugendlichen und Eltern. Zwar gibt’s kein einzelnes, herausragendes Beispiel mit Name und Datum, das ich gefunden habe, aber der Lehrlingspakt spricht ausdrücklich vom „Jugendlichen die Vorteile einer dualen Ausbildung aufzeigen“. Südtirol News
  6. Sprachliche und kulturelle Berücksichtigung
    Südtirol ist mehrsprachig; Jugendliche haben unterschiedliche Sprachhintergründe (Deutsch, Italienisch, Ladinisch). Lehrlingsmarketing funktioniert besser, wenn man diese Mehrsprachigkeit berücksichtigt: In Informationsbroschüren, bei Berufsorientierungs Tagen, in der Schul Kommunikation. Ich habe keine konkreten Maßnahmen mit Dokumentation gefunden, die 2021 gestartet sind und wissenschaftlich ausgewertet, aber es ist immer ein Thema in Südtirols Bildungsdiskurs, wie Sprachbarrieren abgebaut werden können. (Man denke z. B. an Maßnahmen, die sprachliche Begleitung und Gleichberechtigung fördern.) berufsberatung-studieninfo.provinz.bz.it

Was funktioniert besonders gut – abgeleitet aus diesen Beispielen

Aus diesen Best Practices lassen sich ein paar zentrale Erfolgsfaktoren herausarbeiten:

  • Mehr Incentives für Betriebe: Geld hilft. Wenn ein Unternehmen sieht, dass sich Ausbildung „rechnet“, nicht nur in langfristiger Fachkräftesicherung, sondern auch kurzfristig entlastet wird, steigt das Engagement.
  • Frühzeitige Ansprache der Jugendlichen: Nicht erst, wenn jemand die Schule beendet, sondern schon in der Sekundarschule, Berufsorientierung machen, Schnuppertage anbieten, etc.
  • Transparenz & Information: Jugendliche und Eltern wollen wissen: Wie läuft der Alltag in der Lehre ab? Wie sind die Aufstiegsmöglichkeiten? Was verdient man? Wenn diese Infos offen kommuniziert werden, sinkt Angst/Unsicherheit.
  • Niederschwellige Zugänge schaffen: Bewerbungen unkompliziert, wenig Barrieren (z. B. nicht zu viele Zeugnisse, einfache Formulare), digitale Tools, Beratung etc.
  • Regionale/geographische & sprachliche Anpassung: In den Tälern und entlegeneren Gebieten Südtirols sind Mobilität, Sprachunterricht, Betreuung etc. wichtig. Maßnahmen, die diese Faktoren berücksichtigen, sind erfolgreicher.
  • Gutes Zusammenspiel zwischen Schule, Wirtschaft und Politik: Nur wenn alle Hebel zusammenspielen kann Lehrlingsmarketing nachhaltig sein. Schulen machen Berufsorientierung, Betriebe bieten Praxis, die öffentliche Hand schafft Rahmenbedingungen und Förderungen.

Schwächen & Herausforderungen im Jahr 2021

Damit man weiß, wo noch Luft nach oben ist:

  • Nicht alle Maßnahmen sind flächendeckend oder gleichmäßig in allen Tälern/Sprachgruppen angekommen.
  • Manchmal bleibt die Sichtbarkeit zu gering. Jugendliche wissen gar nicht, welche Betriebe Lehrstellen anbieten, oder welche Berufe es gibt.
  • Digitalisierung und Online-Kommunikation sind nicht bei allen Lehrbetrieben stark ausgeprägt, insbesondere kleine Handwerksbetriebe oder Betriebe in abgelegenen Regionen haben hier oft Nachholbedarf.
  • Mangel an Feedback Schleifen: Was denken die Jugendlichen, was denken die Eltern? Wo sind die Hürden wirklich? Solches Nutzerfeedback wird oft nicht systematisch eingeholt.

Empfehlungen: Best Practice für die Zukunft

Damit Lehrlingsmarketing nicht nur „nice to have“ ist, sondern richtig wirksam:

  1. Storytelling nutzen
    Zeige Lehrlinge in Aktion, ihre Erfolge, Interviews mit ihnen – das macht den Beruf greifbarer. Eltern sind wichtige Entscheidungsfaktoren: wenn sie verstehen, was ihr Kind erwartet, sinkt die Skepsis.
  2. Digitale Tools & Social Media clever einsetzen
    Plattformen wie Instagram, TikTok etc. können helfen, Berufe zu zeigen, Einblicke zu geben (z. B. „ein Tag im Leben eines Lehrlings in Zimmerer, Restaurant, Metallwerkstatt…“). Das spricht Jugendliche direkt und authentisch an.
  3. Kooperationen intensivieren
    z. B. mit Schulen, aber auch mit Jugend Organisationen, Elternvereinigungen, regionalen Medien. Gemeinsame Berufserlebnistage, Schnuppertage, Praktika schon vor der Lehre.
  4. Anreize & Förderungen weiterentwickeln
    Nicht nur Geld, sondern z. B. Zuschüsse für Ausbilder, Anerkennung, Wettbewerbe, Stipendien, Weiterbildungsmöglichkeiten. All das macht einen Betrieb attraktiv für Lehrlinge und steigert die Qualität der Ausbildung.
  5. Maßgeschneiderte Ansprache
    Auf die Zielgruppen eingehen: Jugendliche aus unterschiedlichen Sprachgruppen, mit verschiedenen Interessen, aus städtischen und ländlichen Regionen. Was bei Jugendlichen in Bozen wirkt, wirkt nicht unbedingt in Alta Badia oder im Vinschgau.
  6. Monitoring & Evaluation
    Erfolgreiche Maßnahmen sollten gemessen werden: Wie viele Bewerbungen kamen? Wie viele Lehrverträge? Wie viele bleiben über die gesamte Lehrzeit? Welches Feedback gibt’s von Jugendlichen? So kann man nachbessern.

Fazit

Lehrlingsmarketing in Südtirol war 2021 kein Totalneuanfang, aber viele gute Schritte wurden gemacht. Der Lehrlingspakt, Prämien für Betriebe, Kooperation Schule & Betrieb, digitale Plattformen – all das sind starke Bausteine. Was jetzt zählt, ist: dranbleiben, ausbauen, kleinere Betriebe stärker einbinden, digitale Sichtbarkeit erhöhen, Geschichten erzählen und Maßnahmen evaluiert gestalten.

Wenn man das konsequent macht, hat Südtirol wirklich gute Chancen, Lehrlingsausbildung nicht nur zu sichern, sondern sie zu einem attraktiven Weg für Jugendliche zu machen, als echte Alternative zum Studium, mit Mehrwert und Perspektive.

Foto von Andrea Piacquadio / Pexels.com

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