Merk- und Lerntechniken für Auszubildende

So bringst du deinen Azubis das Lernen bei

Mal ehrlich: Viele Auszubildende sind echte Profis in Sachen Handy, Gaming oder Serienwissen – aber wenn’s ums Lernen geht, herrscht oft Funkstille. Kein Wunder, denn Lernen lernen steht in der Schule kaum auf dem Stundenplan. Dabei wäre genau das der Turbo-Booster für jede Ausbildung.
Hier kommt deine Rolle als Ausbilder:in ins Spiel. Du kannst deinen Azubis zeigen, wie man Wissen nicht nur aufnimmt, sondern auch behält – und das ohne langweilige Theoriemarathons.


Lernmotivation statt Lernfrust

Bevor’s ans Pauken geht, lohnt sich ein kurzer Check: Warum soll dein Azubi überhaupt lernen?
Wenn der Sinn fehlt, ist das Gehirn auf Durchzug geschaltet. Mach also klar, wofür das Gelernte im Alltag gebraucht wird.
Ein Beispiel:
„Du musst das nicht nur wissen, um die Prüfung zu bestehen – das brauchst du, um Kunden später sicher beraten zu können.“

Motivierte Azubis sind wie Schwämme: Sie saugen Wissen auf, weil sie einen Grund haben. Motivation ist die beste Lerntechnik überhaupt.


Struktur reinbringen – mit Lernplänen und Häppchenwissen

Viele Azubis scheitern nicht am Inhalt, sondern am Chaos. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!“ – kommt dir bekannt vor?
Hilf ihnen, Struktur reinzubringen:

  • Macht gemeinsam einen Lernplan, z. B. mit klaren Tages- oder Wochenzielen.
  • Lieber kurze, regelmäßige Einheiten (z. B. 30 Minuten täglich) als stundenlanges Büffeln vor der Prüfung.
  • Erkläre, dass Wiederholung das A und O ist – das Gehirn liebt es, Dinge öfter zu hören, bevor sie im Langzeitgedächtnis landen.

Tipp: Lass deine Azubis mal selbst planen – Verantwortung motiviert!


Wiederholen, aber richtig – mit Spaced Repetition

Wenn dein Azubi drei Stunden lang denselben Stoff durchliest, bringt das kaum was. Besser: den Lernstoff in Abständen wiederholen.
Das nennt sich Spaced Repetition. Die Idee: Der Abstand zwischen den Wiederholungen wird immer größer, z. B.:

  • Tag 1: Lernen
  • Tag 2: Wiederholen
  • Tag 4: Wiederholen
  • Tag 8: Wiederholen

Apps wie Anki oder Quizlet nutzen genau diese Technik automatisch – perfekt für digital affine Azubis.



Visualisieren – das Gehirn denkt in Bildern

Das menschliche Gehirn liebt Bilder. Wenn du deinen Azubis beibringst, sich Lernstoff bildlich vorzustellen, behalten sie ihn viel besser.
Ein paar Methoden:

  • Mindmaps: Ideal für Zusammenhänge und Prozesse.
  • Sketchnotes: Kleine Zeichnungen oder Symbole zu Fachbegriffen (keine Kunstwerke nötig!).
  • Farbcodes: Farbe hilft beim Sortieren und Erinnern – z. B. rot für wichtige Begriffe, blau für Definitionen.

Mach doch mal einen „Mindmap-Wettbewerb“ in der Ausbildung – das macht Spaß und bringt Struktur.


Geschichten erzählen statt Paragraphen pauken

Menschen merken sich Geschichten viel besser als Fakten.
Wenn dein Azubi wissen soll, wie ein Prozess abläuft, erzähle es als kleine Story:
„Stell dir vor, der Kunde kommt mit diesem Problem… du gehst Schritt für Schritt so und so vor…“
Solche „Story-Techniken“ verknüpfen Wissen mit Emotionen – und das bleibt hängen.
Ermutige deine Azubis, sich selbst Eselsbrücken oder kleine Geschichten zu bauen.


Lernen mit allen Sinnen

Je mehr Sinne beteiligt sind, desto besser klappt’s.
Lass deine Azubis:

  • sprechen: Lernstoff laut wiederholen oder sich gegenseitig abfragen
  • schreiben: Zusammenfassungen oder Karteikarten erstellen
  • bewegen: beim Lernen aufstehen, herumlaufen, Lernplakate an die Wand hängen

Bewegung aktiviert das Gehirn. Ein kurzer Spaziergang nach dem Lernen wirkt Wunder.


Prüfungsangst? Locker bleiben!

Viele Azubis lernen eigentlich gut – bis der Prüfer kommt. Dann ist alles weg.
Hilf ihnen, mit Lernstress umzugehen:

  • Atemtechniken oder kurze Pausen einbauen
  • Vorher Prüfungssimulationen machen – das nimmt den Schrecken
  • Lob und Feedback geben: Kleine Erfolgserlebnisse steigern das Selbstvertrauen enorm

Du kannst z. B. kleine „Mini-Tests“ in den Ausbildungsalltag einbauen – spielerisch, ohne Druck.


Lernmethoden-Mix statt Einheitsbrei

Jeder Mensch lernt anders. Der eine lernt visuell, der andere auditiv oder praktisch.
Mach mal den Test: Lass deine Azubis verschiedene Methoden ausprobieren.
Zum Beispiel:

  • Lernkarten
  • Podcasts oder Erklärvideos
  • Gruppenlernen
  • Rollenspiele oder Praxisübungen

Das sorgt für Abwechslung und jeder findet heraus, was am besten funktioniert.


Digitales Lernen clever nutzen

Viele Azubis lernen lieber digital – also warum nicht?
Apps, Lernplattformen und YouTube-Kanäle können super unterstützen.
Aber: Zeig ihnen, wie man das sinnvoll nutzt – nicht einfach nur scrollen, sondern gezielt Inhalte auswählen, mitschreiben, pausieren, reflektieren.
Du könntest sogar kleine Challenges starten:
„Wer findet das beste Lernvideo zum Thema XY?“


Lernen darf Spaß machen!

Das klingt banal, ist aber Gold wert. Wenn Lernen als „notwendiges Übel“ gesehen wird, bleibt nichts hängen.
Mach das Thema locker und praxisnah:

  • Quizrunden in der Frühstückspause
  • Lerntandems bilden
  • Kleine Wettbewerbe oder Belohnungen einbauen

Humor und Leichtigkeit senken die Hemmschwelle – und plötzlich ist Lernen kein Stressfaktor mehr, sondern Teil des Arbeitsalltags.


Fazit: Du bist der Lerncoach!

Als Ausbilder:in bist du mehr als Wissensvermittler – du bist Coach, Motivator und Lernbegleiter.
Wenn du deinen Azubis zeigst, wie man lernt, gibst du ihnen ein Werkzeug fürs ganze Leben.
Denn wer das Lernen gelernt hat, kommt in jeder Prüfung – und im Berufsleben – klar.

Foto von Christina Morillo / Pexels.com

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