Vom Warten zum Handeln – Wie Betriebe den Change im Ausbildungsrecruiting meistern

Erinnerst du dich noch an die Zeiten, in denen Bewerbungen stapelweise ins Postfach flatterten? Als Personalabteilungen in Ruhe sortieren, auswählen und dann irgendwann Gespräche ansetzen konnten?
Tja – vorbei.

Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht. Nicht mehr die Betriebe wählen die Azubis – die Azubis wählen die Betriebe.

Was früher selbstverständlich war („Die müssen sich ja bei uns bewerben!“), funktioniert heute nicht mehr. Gute Bewerber:innen sind rar, und wer sie will, muss aktiv werden. Es geht nicht mehr ums Aussitzen, sondern ums Aufstehen.

Kurz gesagt:
🎯 Der Markt hat sich verändert.
🎯 Die Erwartungen haben sich verändert.
🎯 Und jetzt müssen sich auch die Betriebe verändern.

Willkommen im Change-Prozess des Ausbildungsrecruitings.


Warum „Weiter so“ keine Option mehr ist

Viele Unternehmen merken es schmerzlich: Die Zahl der Bewerbungen sinkt, gute Kandidat:innen springen ab oder melden sich einfach nicht mehr zurück. Früher hätte man gedacht: „Dann nehmen wir halt den nächsten.“
Heute gibt es keinen nächsten.

Der Fachkräftemangel trifft schon beim Nachwuchs. Die Gen Z wächst in einer Welt auf, in der Auswahl selbstverständlich ist – beim Streamingdienst, beim Handyvertrag und eben auch beim Arbeitgeber.

Wer hier nicht reagiert, verliert.

Der Satz „Wir müssen uns um Bewerber:innen bemühen“ ist keine Floskel mehr. Er ist Realität. Und wer diesen Wandel nicht aktiv gestaltet, wird ihn zu spüren bekommen.


Change im Recruiting heißt: Haltung ändern

Change beginnt im Kopf. Es geht darum, das alte Denken loszulassen:

„Wir sind der Arbeitgeber – die sollen froh sein, wenn sie hier anfangen dürfen.“

Und es zu ersetzen durch:

„Wir wollen, dass sie sich bewusst für uns entscheiden und wir tun etwas dafür.“

Dieser Mindset-Shift ist der Kern des Wandels.

Recruiting ist heute Marketing, Beziehungspflege und Kommunikation in einem. Und genau das müssen Ausbildungsbetriebe lernen.


Der neue Recruiting-Alltag: Aktiv statt abwartend

Das moderne Ausbildungsrecruiting ist kein Verwaltungsakt mehr, sondern Beziehungsarbeit.
Bewerber:innen erwarten heute:

  • schnelle Reaktionen
  • ehrliche Kommunikation
  • sichtbare Wertschätzung
  • Einblicke in die Unternehmenskultur

Sie wollen wissen, wer da arbeitet, wie man miteinander umgeht und ob sie dazugehören.

Wenn sie zwei Zusagen auf dem Tisch haben, und das ist keine Seltenheit, entscheiden sie sich für das Unternehmen, das sich kümmert.


💡 10 Tipps, um den Change im Ausbildungsrecruiting erfolgreich umzusetzen

Hier kommen 10 konkrete Tipps, wie Betriebe den Wandel aktiv gestalten können, vom alten Bewerberstapel hin zum modernen, beziehungsorientierten Recruiting:


1. Bewerbergespräche zeitnah führen

Wartezeiten sind der Feind. Wenn du eine interessante Bewerbung bekommst, melde dich innerhalb weniger Tage. Ein schneller Termin zeigt Wertschätzung und du bleibst im Kopf.


2. Kontakt nach Bewerbungseingang suchen

Nicht warten, bis der oder die Bewerber:in sich meldet. Ein kurzer Anruf oder eine persönliche Mail mit „Danke, dass du dich beworben hast. Wir freuen uns, dich kennenzulernen!“ macht einen riesigen Unterschied.


3. Active Sourcing nutzen

Weg vom Warten auf Bewerbungen, hin zum aktiven Finden. Plattformen wie AUBI-plus oder Azubiyo bieten Datenbanken mit Schüler:innenprofilen.
Such aktiv nach passenden Kandidat:innen und geh offen auf sie zu. Sei freundlich, nicht aufdringlich.


4. Sichtbarkeit aufbauen

Zeig dich dort, wo Jugendliche unterwegs sind: auf Instagram, TikTok, YouTube oder Snapchat.
Echte Einblicke aus dem Alltag, Azubis als Markenbotschafter, kurze Storys, das wirkt authentisch und nahbar.


5. Schnelle und einfache Bewerbungswege schaffen

Niemand will sich durch seitenlange Formulare quälen. Ein Klick, ein kurzes Formular, Lebenslauf hochladen und fertig.
Oder noch besser: Bewerbung per WhatsApp.


6. Bewerbungsgespräche als Dialog gestalten

Kein Verhör, sondern ein Kennenlernen. Junge Menschen wollen wissen, wie es bei euch ist und ob sie da reinpassen. Ehrlichkeit statt Floskeln.


7. Preboarding ernst nehmen

Nach der Zusage ist vor dem Ausbildungsstart. Halte Kontakt, lade zu Events ein, verschick kleine Willkommensgrüße.
Sonst ist die Gefahr groß, dass dein künftiger Azubi kurz vor Start abspringt, für ein Unternehmen, das sich mehr Mühe gegeben hat.


8. Feedbackkultur etablieren

Auch wenn’s nicht passt: Rückmeldung geben. Wer freundlich und respektvoll absagt, bleibt positiv im Gedächtnis und das vielleicht sogar für später.


9. Eltern als Mitentscheider mitdenken

Gerade bei Schulabgänger:innen spielen Eltern oft eine große Rolle. Lad sie zum Infoabend ein oder schick ein Begrüßungsschreiben mit, das schafft Vertrauen.


10. Recruiting als Teamaufgabe verstehen

Azubimarketing ist keine reine Personalaufgabe. Führungskräfte, Ausbilder:innen und aktuelle Azubis sollten eingebunden werden. Sie sind die besten Botschafter.


Veränderung braucht Mut – und Menschen

Jeder Change-Prozess ist anstrengend. Er kostet Zeit, Geduld und ein bisschen Mut, Neues auszuprobieren. Aber er lohnt sich. Denn wer den Wandel im Ausbildungsrecruiting aktiv angeht, wird langfristig die besseren Talente gewinnen – und halten.

Der Markt hat sich verändert, und er verändert sich weiter.
Die Frage ist nicht mehr, ob du mitgehst, sondern wie schnell.


Fazit: Wir sind jetzt am Zug

Der Bewerbermarkt ist da und er bleibt.
Unternehmen, die jetzt ihre Haltung ändern, moderne Tools nutzen und echte Beziehungen aufbauen, werden auch in Zukunft ihre Ausbildungsplätze besetzen.

Denn am Ende gilt:
Azubis wollen nicht nur einen Ausbildungsplatz. Sie wollen einen Platz, an dem sie willkommen sind.

Und wer das versteht, hat den Change im Recruiting schon geschafft.

Foto von Marta Klement / Pexels.com

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