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Warum sich digitale Ausbildungsmessen während Corona nicht durchsetzen werden

Mal ehrlich: Wer von uns hat während der Pandemie nicht irgendwann mal im Schlafanzug an einem Online-Meeting teilgenommen, die Kamera ausgeschaltet und nur so halb zugehört? Willkommen in der Welt der digitalen Events – klingt praktisch, ist aber oft ziemlich… naja, langweilig.

Genau das dachten sich auch viele Schülerinnen, Lehrerinnen und sogar Unternehmen, als plötzlich digitale Ausbildungsmessen das neue große Ding sein sollten. Der Plan: Weil Hallen, Schulveranstaltungen und Karrieremessen wegen Corona ausfielen, wurde das Ganze einfach ins Internet verlegt. Klingt erstmal logisch – aber in der Realität hat das oft nicht so richtig gezündet.


Ausbildungsmessen in der Theorie: der perfekte Ort für den ersten Eindruck

In der echten Welt sind Ausbildungsmessen ziemlich cool:
🎤 Man kann mit echten Menschen sprechen,
📄 Infomaterial direkt in die Hand gedrückt bekommen,
🤝 einen ersten Eindruck vom Betrieb sammeln – und umgekehrt.

Es geht um Begegnung, spontane Gespräche, Augenkontakt. Und um das gute, alte Bauchgefühl: „Irgendwie sind die mir sympathisch, das klingt spannend, da könnte ich mir was vorstellen.“


Und dann kam Corona – und plötzlich war alles digital

Keine Turnhalle voller Infostände mehr. Keine Traube an Schüler*innen um den Stand der Feuerwehr. Stattdessen: Zoom-Links, virtuelle Messestände, Chatfenster.
Ein Klick auf das Logo – und man landet in einem digitalen Raum, in dem ein Unternehmensvideo läuft und ein Chatbot höflich „Hallo“ sagt.

War das modern? Ja.
War das effizient? Vielleicht.
War das begeisternd? Eher selten.


Warum sich digitale Ausbildungsmessen nicht durchsetzen werden

Auch wenn viele Veranstalter ihr Bestes gegeben haben – das Format hatte einfach zu viele Schwächen. Hier ein paar Gründe, warum das digitale Messe-Feeling bei den meisten einfach nicht gezündet hat:

1. Kein echtes Messe-Gefühl

Was Messen besonders macht, ist die Atmosphäre: das Gewusel, die Eindrücke, das persönliche Gespräch. Digital fehlt all das. Ein „Klick dich durch“-Erlebnis ersetzt eben nicht den echten Kontakt.

2. Technische Hürden

Viele Plattformen waren technisch überfordert – oder die Teilnehmenden selbst. Mal ging das Mikro nicht, mal der Link, mal hat man vergessen, dass man überhaupt eingeloggt ist. Keine gute Grundlage für ein gelungenes Gespräch.

3. Fehlende Spontanität

Auf echten Messen schlendert man rum, bleibt irgendwo stehen, stellt spontan eine Frage. Online? Muss man gezielt klicken, oft sogar Termine buchen oder sich registrieren. Das nimmt den Reiz – und schreckt eher ab.

4. Geringe Verbindlichkeit

Viele Jugendliche loggten sich zwar ein – aber wirklich teilnehmen? Fehlanzeige. Kein Wunder: Es fehlte der soziale Druck („Geh mal zum Stand von XY!“) und die persönliche Motivation („Da ist jemand, der mich direkt anspricht“).

5. Schwierige Gesprächsdynamik

Ein Chat ersetzt kein echtes Gespräch. Körpersprache, Tonfall, spontanes Lachen – das fällt digital oft flach. Und selbst Videocalls sind manchmal steif, künstlich und irgendwie… unpersönlich.

6. Fehlende Ansprache

Durch Messehallen schlenderne Jugendliche, die mit fragendem Blick vor dem Messestand stehenblieben, wurden oft genug von den Betrieben angesprochen. Dieses Erlebnis und die Möglichkeit fehlen im digitalen Bereich völlig.


Natürlich gab’s auch Vorteile – aber reicht das?

Ja, man muss fair bleiben: Digitale Messen hatten auch ihre guten Seiten.

✅ Keine langen Anfahrtswege
✅ Zugang auch für ländliche Regionen
✅ Möglichkeit, sich ungestört zu informieren

Aber: All das kann auch eine gute Website leisten – dafür braucht’s keine virtuelle Messe mit Avataren und Chatrooms.


Was kann man aus dem Ganzen lernen?

Corona hat gezeigt: In der Not geht vieles digital – auch Berufsorientierung. Und klar, ein bisschen was bleibt hängen: Infoveranstaltungen per Livestream, Azubi-Talks via Instagram, Q&As über Zoom – das funktioniert in kleinen Dosen sogar ziemlich gut.

Aber eine komplette Messe digitalisieren? Das wird auf Dauer einfach nicht das Wahre sein. Der Mensch ist ein soziales Wesen – und vor allem Jugendliche brauchen echte Begegnung, Erlebnisse und Austausch auf Augenhöhe.


Hybrid statt 100 % digital – die Zukunft der Ausbildungsmessen?

Die Lösung liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Denn ganz zurück zur alten Welt geht’s wohl auch nicht – und das ist gar nicht schlimm. Denkbar wäre:

👉 Kleine Präsenzmessen, ergänzt durch digitale Angebote
👉 Live-Streams von Vorträgen, die man später nochmal anschauen kann
👉 Azubi-Talks auf Social Media, die junge Leute da abholen, wo sie sind
👉 Virtuelle Infoabende, um erste Fragen zu klären – bevor man sich dann persönlich trifft

So wird Berufsorientierung flexibel, modern und trotzdem menschlich.


Fazit: Digitale Ausbildungsmessen waren ein mutiger Versuch – aber keine dauerhafte Lösung

Corona hat viele Veränderungen angestoßen – und uns gezeigt, wie viel digital möglich ist. Aber wenn’s um Berufsorientierung geht, zählt mehr als nur Information. Es geht um Beziehung, Vertrauen und echtes Interesse – und das entsteht am besten im direkten Gespräch.

Digitale Ausbildungsmessen waren ein Rettungsanker in schwierigen Zeiten. Doch langfristig werden sie nicht bestehen – weil sie nicht berühren, nicht begeistern und nicht das liefern, was Jugendliche (und auch Unternehmen) wirklich brauchen: echten Kontakt.


P.S. an alle Veranstalter*innen, Schulen und Betriebe:
Lasst uns die guten digitalen Ideen behalten – aber nicht vergessen, wie wichtig echtes Miteinander ist. Denn am Ende entscheidet nicht der beste Chatbot, sondern das beste Gespräch – von Mensch zu Mensch.

Foto von Cottonbro / Pexels.com

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