Wer heute junge Menschen für eine Ausbildung gewinnen will, sollte nicht erst dann auftauchen, wenn der Bewerbungszeitraum beginnt. Gerade bei der Generation Alpha gilt: Beziehungen entstehen lange vor der Bewerbung. Und ein ziemlich guter Ort, um diese Beziehungen aufzubauen, ist die Schule.
Die Gen Alpha wächst mit Smartphone, Social Media, KI und einer riesigen Auswahl an Informationen auf. Klassische Ausbildungsanzeigen nach dem Motto „Wir bilden aus – bewirb dich jetzt!“ reichen da immer weniger. Jugendliche wollen wissen: Was macht der Beruf eigentlich? Wie sieht mein Arbeitsalltag aus? Wer arbeitet dort? Und passt das Unternehmen überhaupt zu mir?
Genau hier kommen Schulpartnerschaften ins Spiel. Sie sind kein einmaliges Sponsoring und auch kein Pflichttermin auf der Berufsorientierungsmesse. Richtig aufgebaut, werden sie zu einem langfristigen Bestandteil des Ausbildungsmarketings.
Hier sind 10 Tipps, mit denen Unternehmen Schulpartnerschaften aufbauen können, die wirklich funktionieren.
Nicht mit dem Ausbildungsplatz starten
Der häufigste Fehler: Unternehmen gehen in eine Schule und sprechen sofort über ihre freien Ausbildungsplätze.
Besser ist es, zunächst die Perspektive der Schule einzunehmen. Was braucht die Schule? Welche Themen beschäftigen die Lehrkräfte? Wo können Schülerinnen und Schüler praktische Erfahrungen sammeln?
Vielleicht sucht die Schule Unternehmen für Berufsorientierung, Projektwochen, Praktika oder Bewerbungstrainings. Wer hier Unterstützung anbietet, schafft Vertrauen und kann später ganz selbstverständlich auch über Ausbildung sprechen.
Erst Beziehung, dann Recruiting. Das ist bei Schulpartnerschaften die wichtigste Regel.
Eine feste Ansprechperson schaffen
Eine Schulpartnerschaft funktioniert nicht besonders gut, wenn jedes Jahr jemand anderes aus dem Unternehmen auftaucht.
Deshalb sollte es auf Unternehmensseite eine feste Person geben, die den Kontakt zur Schule hält. Das kann ein Ausbilder, eine Ausbilderin, jemand aus HR oder auch ein engagierter Azubi sein.
Noch besser: Die Schule weiß genau, wen sie ansprechen kann und umgekehrt.
Das macht die Zusammenarbeit persönlicher und verhindert, dass die Partnerschaft nach dem ersten gemeinsamen Projekt wieder einschläft.
Azubis zu den echten Botschaftern machen
Wer kann Ausbildung besser erklären als jemand, der gerade selbst eine macht?
Eben. Deshalb sollten Unternehmen ihre Azubis möglichst stark einbinden. Sie können in Schulklassen erzählen, wie ihr Ausbildungsalltag aussieht, Fragen beantworten oder gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern kleine Projekte durchführen.
Und dabei darf es ruhig ehrlich zugehen. „Bei uns ist alles super“ wirkt schnell nach Werbung. Viel spannender sind echte Geschichten: Was war am Anfang schwierig? Was macht Spaß? Wie sieht ein typischer Tag aus? Was verdient man? Welche Möglichkeiten gibt es nach der Ausbildung?
Echte Menschen schlagen Hochglanzbroschüren.
Gen Alpha will ausprobieren – also lasst sie machen
Eine Schulpartnerschaft sollte möglichst wenig aus langen PowerPoint-Präsentationen bestehen.
Die Gen Alpha möchte Dinge ausprobieren. Also: Ärmel hochkrempeln!
Ein Unternehmen aus dem Handwerk kann beispielsweise einen kleinen Workshop anbieten. Ein IT-Unternehmen lässt die Schülerinnen und Schüler einen einfachen Chatbot ausprobieren. Ein Industriebetrieb zeigt, wie ein Produkt entsteht. Ein Pflegebetrieb lässt typische Situationen aus dem Berufsalltag erleben.
Das Ziel ist nicht, in 90 Minuten einen Ausbildungsberuf komplett zu erklären.
Das Ziel ist, einen „Wow, das hätte ich nicht gedacht!“-Moment zu erzeugen.
Social Media nicht vor der Schultür vergessen
Schulpartnerschaft und Social Media gehören längst zusammen.
Wenn ein Unternehmen mit einer Schule arbeitet, kann daraus jede Menge Content entstehen: kurze Videos vom Projekttag, Interviews mit Azubis, Einblicke hinter die Kulissen oder kleine Challenges.
Dabei muss nicht jedes Video perfekt produziert sein. Im Gegenteil: Ein authentisches Handyvideo kann deutlich besser funktionieren als ein professioneller Imagefilm.
Wichtig ist natürlich, dass Schule, Eltern und Jugendliche bei Aufnahmen entsprechend eingebunden werden und die notwendigen Einwilligungen vorliegen.
Die Botschaft lautet: Wir sind nicht nur irgendwo auf einer Karriereseite. Wir sind dort, wo junge Menschen uns erleben.
Aus einem Termin eine Jahrespartnerschaft machen
Ein Besuch pro Jahr ist noch keine echte Schulpartnerschaft.
Besser ist ein kleiner Jahresplan. Zum Beispiel:
- Frühjahr: Berufsorientierungsworkshop
- Sommer: Praktikumsplätze vorstellen
- Herbst: Bewerbungstraining
- Winter: Besuch im Unternehmen
- zwischendurch: Azubi-Interview oder Social-Media-Projekt
So entsteht regelmäßiger Kontakt.
Und genau das ist wichtig: Jugendliche müssen ein Unternehmen mehrfach erleben, bevor es im Kopf wirklich hängen bleibt.
Lehrkräfte nicht vergessen
Beim Ausbildungsmarketing wird häufig nur an Schülerinnen und Schüler gedacht. Dabei sind Lehrkräfte wichtige Multiplikatoren.
Sie kennen ihre Schülerinnen und Schüler, wissen, welche Berufe zu ihnen passen könnten, und haben oft einen direkten Draht zu Eltern.
Deshalb lohnt es sich, auch Lehrkräfte mitzunehmen. Beispielsweise durch Betriebsbesichtigungen, Informationsveranstaltungen oder regelmäßige Updates zu Ausbildungsberufen.
Ein einfacher Satz wie „Wenn Sie einen Schüler haben, der sich für Technik interessiert, melden Sie sich gerne bei uns“ kann mehr bringen als die nächste große Recruiting-Kampagne.
Praktika zum Herzstück machen
Eine Schulpartnerschaft ohne Praktikumsmöglichkeiten verschenkt Potenzial.
Denn kein Flyer und kein TikTok-Video kann so überzeugend sein wie ein echter Tag im Unternehmen.
Dabei sollte das Praktikum nicht als „Schüler sitzt daneben und schaut zu“ organisiert werden. Jugendliche sollten möglichst konkrete Aufgaben bekommen und jemanden haben, der sich um sie kümmert.
Noch besser: Nach dem Praktikum bleibt der Kontakt bestehen.
Ein „Wie hat es dir gefallen?“ per WhatsApp oder eine Einladung zu einem weiteren Termin kann der erste Schritt Richtung Bewerbung sein.
Auch die Eltern ins Boot holen
Bei der Gen Alpha spielen Eltern bei der Berufsorientierung weiterhin eine wichtige Rolle. Deshalb sollte eine gute Schulpartnerschaft nicht ausschließlich auf Jugendliche ausgerichtet sein.
Warum nicht einmal einen Elternabend gemeinsam mit der Schule organisieren?
Dabei können Unternehmen erklären, welche Ausbildungsberufe es gibt, welche Voraussetzungen wirklich notwendig sind und welche Karrierewege nach der Ausbildung offenstehen.
Wichtig: Nicht zur Werbeveranstaltung machen.
Je glaubwürdiger und informativer das Ganze ist, desto stärker wirkt es.
Erfolg nicht nur an Bewerbungen messen
Der letzte Tipp ist vielleicht der wichtigste: Schulpartnerschaften brauchen Geduld.
Wenn nach einem Schulprojekt nicht sofort fünf Bewerbungen eingehen, war die Aktion nicht automatisch erfolglos.
Vielleicht kennt jetzt eine Klasse das Unternehmen. Vielleicht folgt ein Praktikum. Vielleicht erzählt ein Schüler zu Hause davon. Vielleicht bewirbt sich jemand erst ein Jahr später.
Deshalb sollten Unternehmen auch andere Kennzahlen betrachten:
Wie viele Jugendliche haben uns kennengelernt? Wie viele haben einen Praktikumsplatz genutzt? Wie viele waren bei Veranstaltungen dabei? Wie hat sich unsere Bekanntheit entwickelt? Und wie viele Kontakte konnten wir langfristig aufbauen?
Ausbildungsmarketing ist schließlich kein Sprint.
Schulpartnerschaften ist Ausbildungsmarketing mit Langstrecke
Gerade bei der Gen Alpha wird es für Unternehmen immer wichtiger, früh sichtbar zu werden. Wer erst kurz vor dem Schulabschluss auftaucht, konkurriert mit vielen anderen Arbeitgebern um dieselben Jugendlichen.
Eine gute Schulpartnerschaft funktioniert deshalb anders: Sie beginnt mit Orientierung und endet idealerweise mit einer Ausbildung.
Dazwischen liegen viele kleine Kontakte: ein Workshop, ein Praktikum, ein Gespräch mit einem Azubi, ein Besuch im Betrieb, ein Social-Media-Video oder vielleicht einfach die Erkenntnis: „Ach, die Firma kenne ich. Die waren doch damals bei uns in der Schule.“
Genau diese Wiedererkennung ist Gold wert.
Und vielleicht ist das die wichtigste Veränderung im Ausbildungsmarketing: Unternehmen sollten nicht mehr fragen, „Wie bekommen wir mehr Bewerbungen?“, sondern zunächst:
„Wie schaffen wir es, dass junge Menschen uns kennenlernen, verstehen und interessant finden?“
Wer diese Frage ernst nimmt, landet fast automatisch bei langfristigen Schulpartnerschaften.
Denn gute Ausbildungsrekrutierung beginnt nicht mit der Bewerbung.
Sie beginnt mit dem ersten Kontakt.
Foto: KI

Schreibe einen Kommentar