Azubi-Recruiting Trends 2026

Weniger Konkurrenz – aber Unternehmen dürfen sich trotzdem nicht zurücklehnen

Jedes Jahr liefert die Studie Azubi-Recruiting Trends spannende Einblicke in die Welt der dualen Ausbildung. Die Ausgabe 2026 zeigt deutlich: Der Ausbildungsmarkt verändert sich erneut. Während sich die Chancen für Unternehmen auf den ersten Blick verbessern, offenbaren die Ergebnisse gleichzeitig große Baustellen im Ausbildungsmarketing und in der Ausbildungsqualität.

Über 9.500 Schülerinnen, Schüler, Azubis und dual Studierende sowie mehr als 2.000 Ausbildungsverantwortliche wurden für Deutschlands größte Studie zur dualen Ausbildung befragt. Die Ergebnisse sollten alle Ausbildungsbetriebe aufmerksam lesen.

Der Bewerbermarkt kippt langsam wieder

Noch vor wenigen Jahren konnten sich viele Jugendliche ihren Ausbildungsbetrieb aussuchen. 2026 sieht die Situation anders aus: Nur noch rund drei von zehn Bewerbenden erhalten mehrere Ausbildungsangebote. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Studie im Jahr 2014.

Die wirtschaftliche Unsicherheit, Insolvenzen und der Rückgang vieler Ausbildungsplätze zeigen Wirkung. Trotzdem bedeutet das keine Entwarnung für Unternehmen. Denn weiterhin berichtet etwa jeder dritte Ausbildungsbetrieb, seine Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen zu können. Der Fachkräftemangel bleibt also bestehen, auch wenn sich die Marktverhältnisse leicht verschieben.

Stellenanzeigen verschenken enormes Potenzial

Ein Ergebnis überrascht besonders: Viele Unternehmen kommunizieren wichtige Informationen überhaupt nicht.

Nur wenige Ausbildungsbetriebe erklären in ihren Stellenanzeigen, wie die Ausbildung tatsächlich abläuft. Auch Karriereperspektiven oder konkrete Angaben zur Ausbildungsvergütung fehlen häufig. Gerade diese Informationen interessieren Jugendliche jedoch besonders.

Wer heute noch eine klassische Stellenanzeige mit einer langen Aufgabenliste veröffentlicht, verschenkt wertvolle Chancen. Bewerber möchten wissen:

  • Wie läuft die Ausbildung ab?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
  • Welche Benefits bietet das Unternehmen?
  • Was macht den Betrieb besonders?

Authentische Einblicke schlagen heute reine Faktenlisten deutlich.

Mehr Geld ist wichtig – aber niemand spricht darüber

Die Studie zeigt erneut, dass eine attraktive Ausbildungsvergütung zu den wichtigsten Entscheidungskriterien gehört. Fast neun von zehn Jugendlichen wünschen sich eine überdurchschnittliche Vergütung.

Interessant ist jedoch: Viele Unternehmen zahlen bereits mehr als üblich, kommunizieren diesen Vorteil aber überhaupt nicht.

Ähnlich sieht es bei weiteren Benefits aus:

  • Prämien für bestandene Abschlussprüfungen
  • Zusatzqualifikationen
  • Übernahmegarantien
  • Weiterbildungsangebote

Oft existieren diese Angebote bereits, sie werden lediglich nicht sichtbar gemacht. Dabei könnten genau diese Vorteile den entscheidenden Unterschied im Wettbewerb um Nachwuchskräfte ausmachen.

Google bleibt die Nummer 1

Immer wieder wird behauptet, Jugendliche würden ausschließlich über TikTok nach Ausbildungsplätzen suchen.

Die Studie zeigt ein anderes Bild.

Mit Abstand am häufigsten suchen Jugendliche weiterhin über Google nach einem Ausbildungsplatz. Danach folgen Empfehlungen von Familie und Freunden, Jobbörsen sowie die Karriereseiten der Unternehmen.

Social Media bleibt wichtig, allerdings eher zur ersten Aufmerksamkeit und für das Arbeitgeberimage. Die eigentliche Suche findet häufig weiterhin über Suchmaschinen statt. In Printmedien wie Tageszeitungen suchen lediglich fünf Prozent der Ausbildungsplatzsuchenden.

Für Ausbildungsbetriebe bedeutet das:

Eine mobil optimierte Karriereseite und gute Auffindbarkeit bei Google sind 2026 wichtiger denn je.

KI verändert die Ausbildung schneller als gedacht

Besonders spannend sind die Ergebnisse rund um Künstliche Intelligenz.

Bereits 85 Prozent der Azubis nutzen KI-Tools wie ChatGPT oder Gemini während ihrer Ausbildung. Noch bemerkenswerter ist jedoch eine andere Zahl:

Mehr als jeder zweite Azubi ist der Meinung, dass KI Ausbildungsthemen zumindest manchmal besser erklären kann als die eigenen Ausbilder. Bei Berufsschullehrkräften liegt dieser Wert sogar noch deutlich höher.

Das klingt zunächst provokant, ist aber eigentlich eine große Chance.

KI ersetzt keine guten Ausbilder. Sie liefert schnelle Antworten, erklärt Inhalte verständlich und ist jederzeit verfügbar. Die eigentliche Stärke der Ausbilder bleibt jedoch die persönliche Begleitung, Motivation, praktische Erfahrung und individuelle Förderung.

Unternehmen sollten deshalb nicht gegen KI arbeiten, sondern sie bewusst in die Ausbildung integrieren.

Psychische Gesundheit wird zum Ausbildungsthema

Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass Ausbildung längst mehr ist als die Vermittlung von Fachwissen.

Viele Ausbildungsverantwortliche beobachten eine deutlich höhere psychische Belastung ihrer Azubis als noch vor der Corona-Pandemie. Stress, Unsicherheit und persönliche Herausforderungen nehmen zu.

Damit gewinnen regelmäßige Gespräche, Feedback und eine gute Betreuung immer stärker an Bedeutung. Wer junge Menschen langfristig binden möchte, muss heute mehr bieten als einen Ausbildungsplan.

Fazit

Die Azubi-Recruiting Trends 2026 zeigen deutlich: Der Ausbildungsmarkt entwickelt sich wieder etwas zugunsten der Unternehmen. Dennoch wird erfolgreiches Azubi-Recruiting keineswegs einfacher.

Jugendliche erwarten Transparenz, Ehrlichkeit, moderne Kommunikation und einen Ausbildungsbetrieb, der sich wirklich um sie kümmert.

Besonders spannend ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz. Sie wird die Ausbildung in den kommenden Jahren massiv verändern. Unternehmen sollten deshalb nicht fragen, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie sinnvoll in den Ausbildungsalltag integriert werden kann.

Wer seine Benefits sichtbar macht, authentisch kommuniziert, auf Google gut gefunden wird und gleichzeitig moderne Ausbildung mit persönlicher Betreuung verbindet, wird auch in den kommenden Jahren die besten Chancen auf motivierte Nachwuchskräfte haben.

Die Studie wird wie in den vergangenen Jahren wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Christoph Beck. Studienpartner ist AUBI-plus. Der zweite Teil der Azubi-Recruiting Trends 2026 erscheint im Herbst 2026. Studienergebnisse findest du unter www.testsysteme.de/studie

Foto von ottonbro studio / Pexels.com

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