Influencer-Marketing im Recruiting? Klingt im ersten Moment vielleicht nach überdrehten YouTube-Tänzen und gesponserten Smoothie-Bowls – aber tatsächlich entdecken immer mehr Ausbildungsbetriebe und Karriereportale diesen Ansatz für sich. Was ursprünglich in der Produktwerbung groß geworden ist, hält jetzt auch Einzug in die Welt der Lehrstellenvergabe.
Ob der Trend bleibt oder nur ein kurzes Gastspiel im HR-Marketing gibt? Schwer zu sagen. Aber erste Praxisbeispiele aus der Schweiz und Deutschland zeigen: Es funktioniert – wenn man es richtig macht.
💡 Recruiting muss dahin, wo die Jugendlichen sind
Das ist keine neue Erkenntnis, aber sie wird durch Influencer-Marketing nochmal ganz konkret. Jugendliche bewegen sich heute auf Instagram, Snapchat oder YouTube. Sie holen sich dort Inspiration, Unterhaltung – und ja, auch Informationen zur Berufs- und Ausbildungswahl.
Klassische Stellenanzeigen, Messeflyer oder Unternehmenswebsites reichen längst nicht mehr aus, um die Gen Z zu erreichen. Wenn du als Ausbildungsbetrieb wahrgenommen werden willst, musst du dorthin gehen, wo deine Zielgruppe schon unterwegs ist – und dabei idealerweise jemanden an der Seite haben, dem sie wirklich zuhört.
📱 Praxisbeispiel 1: Rash Junior testet Lehrberufe in der Schweiz
Ein spannendes Beispiel kommt aus der Schweiz: Der Influencer Rash Junior, bekannt durch seinen humorvollen Content auf Instagram (über 80.000 Follower), hat sich mit dem Bildungsanbieter Login Berufsbildung zusammengetan. Login bildet unter anderem für große Verkehrsbetriebe wie die SBB und BLS aus – vom Logistiker bis zum Informatiker.
Im Herbst 2016 testete Rash Junior verschiedene Lehrberufe direkt im Unternehmen. Das Ganze wurde in kurzen, unterhaltsamen Videos festgehalten, die über seine Kanäle verbreitet wurden. Der Ton? Locker, witzig, echt. Kein Hochglanz-Imagefilm, sondern authentischer Content, der zeigt, wie Berufswahl heute auch gehen kann – ohne PowerPoint und Broschüre.
Das Ergebnis: hohe Reichweite, gute Interaktionen – und vor allem ein authentischer Einblick in die Berufswelt aus Sicht eines Jugendlichen für Jugendliche.
🎥 Praxisbeispiel 2: TalentHero-Kampagne mit YouTube-Stars in Deutschland
Auch in Deutschland hat man das Potenzial erkannt: Die Plattform meinestadt.de setzte für ihre Lehrstellen-App TalentHero auf eine groß angelegte Influencer-Kampagne.
Ende 2016 erreichte die Aktion über 2,5 Millionen Jugendliche – vor allem über YouTube. Im Fokus standen Influencer wie Aaron Troschke, bekannt aus „Wer wird Millionär?“ und „Promi Big Brother“. In seinen Videos sprach er über Berufswahl, Bewerbungen und wie Jugendliche ihren Weg finden können – alles in gewohnt witziger und nahbarer Art.
Das Ergebnis? Über 70.000 neue Nutzer*innen für die App – und ein Paradebeispiel dafür, wie man die Sprache der Zielgruppe trifft. Klar war zu erkennen, dass hier Werbung gemacht wird – aber das störte offenbar niemanden. Im Gegenteil: Die YouTuber wurden als ehrliche Berater wahrgenommen, ihre Tipps ernst genommen.
❓ Werbung oder Berufsorientierung – oder beides?
Natürlich ist und bleibt Influencer-Marketing eine Werbemaßnahme. Aber sie funktioniert anders als klassische Werbung. Sie lebt von Persönlichkeit, Vertrauen und Nähe. Und genau das sind auch die Zutaten, die junge Menschen bei der Berufsorientierung suchen.
Viele Jugendliche fühlen sich von klassischen Stellenanzeigen überfordert oder nicht angesprochen. Ein Video von einem vertrauten Creator hingegen, der offen über seine Erfahrungen mit Bewerbung, Beruf und Alltag spricht – das wirkt. Und vielleicht ist es genau das, was Jugendliche brauchen, um sich mit einem Beruf oder einem Unternehmen überhaupt erstmal auseinanderzusetzen.
📈 Fazit: Trend mit Potenzial – aber mit Bedacht nutzen
Influencer-Marketing ist sicher kein Allheilmittel für Recruiting-Probleme. Und es wird nicht jedes KMU mit dem nächsten TikTok-Star zusammenarbeiten können oder wollen. Aber: Es ist eine kreative Möglichkeit, um junge Talente zeitgemäß anzusprechen – vorausgesetzt, es passt zur Marke und zur Zielgruppe.
Was man auf jeden Fall mitnehmen kann:
- Authentizität schlägt Hochglanz-Imagefilm
- Reichweite und Vertrauen lassen sich durch Influencer gezielt aufbauen
- Berufsorientierung darf auch unterhaltsam sein
Ob sich Influencer-Marketing im Ausbildungsrecruiting dauerhaft durchsetzt? Das wird die Zeit zeigen. Aber die Beispiele aus der Schweiz und Deutschland zeigen schon heute: Wer mutig ist, neue Wege geht – und den richtigen Partner wählt – kann viel bewegen.
Foto: Ivan Samkov / Pexels.com

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