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Ready to Mobile Recruiting 2019

Einleitung: Warum reden wir überhaupt über Mobile Recruiting?

Stell dir vor: Du sitzt im Café, scrollst auf deinem Smartphone, siehst eine Stellenanzeige — und willst dich spontan bewerben. Klingt lässig, oder? Genau darum geht’s: Mobile Recruiting meint, dass die gesamte Candidate Journey — von der Stellensuche über das Lesen der Ausschreibung bis zur Bewerbung — möglichst komfortabel auf mobilen Endgeräten abläuft (Smartphone, Tablet) und nicht nur am Desktop.

Dass das Thema spätestens 2019 ernst genommen wird, liegt an der Allgegenwart von Smartphones — und daran, dass Kandidaten zunehmend mobil unterwegs sind. Schon in der Uni-Bamberg-Studie heißt es, dass die Nutzung mobiler Endgeräte im Alltag stark zugenommen hat und Recruiting sich diesem Trend anpassen muss.

Aber: Der Weg zum wirklich mobilen Recruiting ist holprig. Es gibt Chancen — und deutliche Stolpersteine.


Wahrnehmung & Erwartungen: Ein gemischtes Bild

Wenn man Unternehmen fragt, was sie mit Mobile Recruiting verbinden, fallen Schlagworte wie Geschwindigkeit, Verfügbarkeit, Flexibilität, Erreichbarkeit, Komfort — also meist positive Assoziationen. Aber gleichzeitig tauchen auch kritische Begriffe wie Fehleranfälligkeit, Unsicherheit, Verbesserungsbedarf auf.

Interessant: Die Mehrheit der Großunternehmen (Top-1.000) und IT-Firmen ist gegenüber Mobile Recruiting sehr aufgeschlossen: rund 75 % der Unternehmen geben an, dass sie dem Konzept grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Unter Kandidaten liegt dieser Anteil eher bei der Hälfte.

Trotz der positiven Einstellung: Nur etwa ein Drittel der Top-1.000 Unternehmen sagen, dass Mobile Recruiting bereits im Tagesgeschäft angekommen ist. Und eine „Mobile-First“ Strategie bei Investitionsentscheidungen verfolgen nur etwas mehr als ein Viertel.

Das heißt: Viele Unternehmen möchten mobil denken — aber sie sind noch nicht voll drin.


Chancen & Herausforderungen: Zwischen Potenzial und Hindernissen

Chancen

Die Studie nennt zahlreiche Vorteile:

  • Erhöhte Reichweite: Mobile Recruiting erlaubt es, Kandidaten situativ und ortsbezogen anzusprechen — zum Beispiel unterwegs, im Wartezimmer, unterwegs mit dem Smartphone.
  • Mehr Kandidaten erreichen: Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen sehen darin eine Chance, mehr Bewerbungen zu generieren.
  • Positiver Gesamteffekt: Die Mehrheit der Unternehmen bewertet die Effekte von Mobile Recruiting als überwiegend positiv.

Herausforderungen

Natürlich gibt’s auch Hürden:

  • Datensicherheit: Schon früher wurde Sorge getragen, dass mobile Bewerbungstechnologien sensible Daten gefährden könnten. In der Studie 2019 sehen etwas weniger Unternehmen das als großes Problem an, aber es bleibt ein Thema.
  • Technischer Aufwand / Kosten: Mobile Recruiting in bestehende Systeme zu integrieren, ist oft mit Aufwand, zusätzlicher Technik und Investitionen verbunden.
  • Prozessintegration: Ein mobiles Bewerbungsmodul muss sauber in die HR-Prozesse (z. B. Applicant Tracking System, Kopfprozesse) eingebunden werden, damit nichts verloren geht. Viele Unternehmen haben hier noch Optimierungsbedarf.
  • Darstellungsprobleme / schlechte Usability: Wenn Karrierewebsites, Anzeigen oder Formulare auf dem Smartphone nicht sauber dargestellt werden, verlieren Unternehmen Kandidaten — über 59 % der Kandidaten geben an, dass sie dann nicht weiter suchen würden.
  • Verlust potentieller Kandidaten: Ein großer Risikopunkt: Wenn Unternehmen kein passendes mobiles Angebot haben, fürchten viele, Bewerber zu verlieren — insbesondere jüngere Generationen (z. B. Generation Z).

Das Verhalten der Kandidaten: Was tun sie mobil?

Mobile Stellensuche

Die Studie zeigt: Die Stellensuche über Smartphones nimmt deutlich zu. Während 2014 nur eine geringe Rolle gespielt hat, nutzten 2018 bereits 53,0 % der Kandidaten mobile Endgeräte unterwegs für die Jobsuche.

Im Vergleich: Der Anteil der Kandidaten, die zuhause per Computer/Laptop suchen, sank von 96,5 % (2014) auf 89,6 % (2018).

Dabei gibt es auch Unterschiede zwischen den Generationen und Geschlechtern: Jüngere Generationen (Y, Z) und Frauen nutzen eher das Smartphone zur Suche als ältere Generationen oder Männer.

Beschäftigung mit Inhalten auf mobilen Geräten

Wenn Kandidaten eine Ausschreibung auf dem Smartphone anschauen, ist ihre Aufmerksamkeit begrenzt. So beschäftigen sich deutlich mehr Kandidaten nur bis zu 5 Minuten mit Unternehmensinformationen oder Tätigkeiten, als wenn sie auf dem Desktop lesen.

Das heißt: Auf dem Smartphone muss der Inhalt knackig, gut strukturiert und relevant sein, sonst springen viele ab.

Mobile Bewerbung

Der Anteil der Kandidaten, die sich über mobile Geräte bewerben, wächst. In 2018 zeigten:

  • Mehr als ein Viertel der Kandidaten gab an, dass sie sich häufig via Smartphone bewerben.
  • Unterwegs oder zuhause — dort wird vermehrt mit dem Smartphone bzw. Tablet gearbeitet.
  • Generationseffekte: In der Generation Z ist der Anteil derjenigen, die häufiger mobil bewerben, höher als bei älteren Generationen.
  • Zeitersparnis: Durchschnittlich sparen Kandidaten 18,6 Minuten bei der Erstellung und 17,3 Minuten beim Versenden einer mobilen Bewerbung im Vergleich zur Desktop-Variante — zusammen also über eine halbe Stunde gespart.

Interessanterweise haben 60 % der Kandidaten ein Grundverständnis, wie mobile Bewerbungen funktionieren. Und mehr als die Hälfte haben bereits alle relevanten Unterlagen (CV, Zeugnisse etc.) auf ihrem mobilen Gerät verfügbar.

Aber: Immer noch bewerten viele Kandidaten die mobile Bewerbung als umständlich — insbesondere per Smartphone. Der Anteil der Kandidaten, die das so sehen, hat seit 2015 zwar abgenommen, aber liegt in 2018 bei etwa 61,3 %.


Optimierungen & Apps: So gelingt Mobile Recruiting

Damit mobiles Recruiting nicht nur ein Buzzword bleibt, gibt’s zwei große Hebel:

  1. Responsive / mobile-optimierte Website
  2. Apps mit relevanter Funktionalität

Apps können zusätzliche Funktionen bieten — z. B. Push-Benachrichtigungen, Matching, Bewerbungs-Tracker etc. Aber das größte Potential liegt oft in der Kombination: mobile-optimierte Webplattform + ergänzende App-Features.


Risiken, wenn man es verpasst

Ein paar Warnzeichen:

  • Wenn du kein Mobile Recruiting anbietest, riskierst du, Bewerber zu verlieren — insbesondere jüngere Generationen. In der Studie sieht ein Großteil der Unternehmen dieses Risiko so.
  • Kandidaten der Generation Z nutzen zunehmend nur mobile Endgeräte: Der Anteil, der häufig ein Gerät mit Tastatur verwendet, ist bei ihnen am niedrigsten.
  • Wenn Bewerbungsprozesse zu kompliziert oder unoptimiert sind, springen Kandidaten in frühen Phasen ab.
  • Dein Image leidet: Ein Unternehmen, das digital rückständig wirkt, kann aus Sicht junger Talente weniger attraktiv erscheinen.

Fazit & Ausblick (Stand 2019)

Mobile Recruiting war 2019 schon kein Zukunftsthema mehr, sondern eine zentrale Herausforderung im Recruiting. Die Technologie war greifbar, Kandidaten mobil unterwegs — und viele Unternehmen standen an einer Weggabel: mit viel Potential, aber ebenso vielen Baustellen.

Die Studienergebnisse zeigen:

  • Positive Einstellung bei Unternehmen, aber oft mangels Umsetzung.
  • Kandidaten sind bereit — sie suchen mobil, bewerben mobil, wenn es möglich ist.
  • Der zentrale Hebel: mobile Usability, sinnvolle Apps und saubere Prozessintegration.
  • Wer nicht mitzieht, riskiert, den Zugang zu Talenten zu verlieren.

Auswertungen aus der Studie: Mobile Recruiting 2019 (vollständige PDF mit allen Daten), Uni Bamberg, Monster Deutschland

Foto: MART PRODUCTION / Pexels.com

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