Die Studie befragt Jugendliche und junge Erwachsene, um herauszufinden: Was denken sie über Ausbildung, Beruf, Zukunft?
Was ist die Jugendstudie 2021?
- Befragt wurde von Februar bis April 2021 eine repräsentative Stichprobe von 1.622 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus ganz Südtirol, im Alter von 14 bis 25 Jahren.
- Thema: Werte, Lebensformen, Lebensentwürfe, Ausbildung, Freizeit, Beruf, politische und gesellschaftliche Teilhabe etc.
- Wichtig für euch: Viele Aussagen, Wünsche, Ängste haben direkte Relevanz für wie ihr als Lehrbetrieb wirkt und was junge Menschen anzieht.
Was fällt auf? Wie „tickt“ die Südtiroler Jugend?
Hier sind die zentralen Befunde und was sie aus meiner Sicht für Lehrbetriebe heißen.
Demografie & soziales Umfeld
- In Südtirol leben etwa 71.482 Menschen im Alter von 14 25 Jahren, das sind ca. 13,4 % der Gesamtbevölkerung.
- Mehrheitlich wohnen Jugendliche weiterhin mit Familie: etwa 88 % der 14 25 Jährigen leben mit mindestens einem Elternteil, bei den Jüngeren (>14 21) sind es sogar ~96 %.
- Haushalte sind oft groß: vier, fünf Personen sind typisch; größere Haushalte sind keine Seltenheit. Italienisch Muttersprachige Jugendliche leben im Schnitt in kleineren Haushalten als Deutsch- oder Ladinisch Muttersprachige.
Ausbildung, Schulische Hintergründe und Berufliche Ziele
- Bei den 20 bis 25 Jährigen haben ca. 20 % maximal einen Mittelschulabschluss (in etwa „die mittlere Reife” oder vergleichbar), ~13,6 % einen 2 oder 3 jährigen Berufsschulabschluss.
- Der Großteil hat ein Oberschuldiplom („Matura”). Nur ein kleiner Teil (~8,5 %) hat eine Hochschulausbildung.
- Die Arbeitsbeteiligung steigt mit dem Alter: In der Altersgruppe 20 25 sind viele in Ausbildung, Arbeit oder suchen Arbeit. Aber es gibt Unterschiede je nach Schulabschluss, Muttersprache, Region.
Werte, Einstellungen & Erwartungen
- Viele Jugendliche haben klare Vorstellungen, was „Arbeit” für sie sein sollte: Themen wie Sinn, Work Life Balance, persönliche Entwicklung, gute Atmosphäre und Respekt sind wichtig.
- Erwartungen an Arbeitgeber sind nicht nur: Gehalt, Sicherheit. Auch: wie man behandelt wird, ob man sich gefördert fühlt, ob man Mitsprache hat.
- Nachhaltigkeit, Umwelt, gesellschaftliche Themen sind relevant. Jugendliche wollen, dass Betriebe verantwortungsbewusst handeln. Das beeinflusst, wie attraktiv ein Betrieb wahrgenommen wird.
Freizeit, Medien & Risikoverhalten
- Freizeit ist wichtig. Wie und wo sie verbracht wird, mit wem etc. Vereine, Sport, Freunde spielen große Rolle.
- Digitale Medien sind Alltag: Information, Kommunikation, Freizeit. Gleichzeitig: Bewusstsein über Risiken im Netz, Datenschutz, Sicherheit.
- Risikoverhalten: Alkohol, Rauchen und andere Themen existieren, aber meist mit kritischem Bewusstsein. Jugendliche sind nicht gleich „abgehoben”, sondern schauen oft, was gesund und vernünftig ist.
Blick in die Zukunft & Wohnort
- Viele sehen Südtirol positiv: Natur, Lebensqualität, Sicherheit sind Pluspunkte.
- Gleichzeitig bestehen Wünsche nach besseren Angeboten: mehr Freizeitgestaltung, kulturelle Angebote, Verkehr, Mobilität.
- Immer mehr Jugendliche überlegen, ob sie wegziehen müssen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen – wenn das passende Angebot hier nicht vorhanden ist.
Was Lehrbetriebe daraus mitnehmen sollten
Basierend auf der Studie hier ein paar Empfehlungen, damit Lehrbetriebe in Südtirol attraktiv für die Jugend sind und gute Lehrlinge gewinnen und halten.
1. Ausbildung mit Perspektiven & Sinn
- Zeigt klar auf: Was kann ich lernen? Wie sieht der Weg nach der Lehre aus? Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten? Flexible Einsatzfelder?
- Vermittelt: „Deine Arbeit zählt”, auch bei kleinen Aufgaben. Wer sieht, dass sein Beitrag geschätzt wird, ist motivierter und bleibt eher.
2. Arbeitsatmosphäre & Betreuung
- Jugendliche schätzen ein gutes Verhältnis zu Ausbilder:innen, faire Behandlung, Feedback. Ein Mentor oder Ansprechpartner, der zuhört, hilft enorm.
- Eine Kultur der Offenheit, in der auch Fehler gemacht werden dürfen und daraus gelernt wird, wirkt attraktiv.
3. Flexibilität & Förderung
- Unterschiedliche Schulabschlüsse, unterschiedliche Hintergründe: Manche Jugendliche haben zuhause weniger Unterstützung, manche sind mehrsprachig etc. Flexibilität in Beginn, Lernen, Förderung hilft.
- Zusätzliche Angebote: Sprachhilfe, extra Förderschichten, Unterstützung bei Prüfungen, oder wenn digitale Kompetenzen nötig sind, all das kann ein Plus sein.
4. Standort & Mobilität
- Für Betriebe in entlegeneren Gegenden: Erreichbarkeit ist ein Thema. Gute Verkehrsanbindung, Fahrgemeinschaften oder Unterstützung bei Mobilität kann helfen, Jugendliche zu erreichen, die nicht in der Nähe wohnen.
- Extras wie Angebote zur Freizeitgestaltung, Mitgestalten von Arbeitszeiten – auch wichtig, weil Jugendliche eben nicht nur wegen Arbeit da sind, sondern auch, wie sie Leben & Arbeit verbinden können.
5. Sichtbarkeit & Image
- Jugendliche orientieren sich stark an Wahrnehmung: Wie sieht der Arbeitstag aus? Wie reden aktuelle Lehrlinge über den Betrieb? Wie wirkt der Betrieb in sozialen Medien oder im lokalen Umfeld?
- Offen sein gegenüber Sozialen Medien, Einblicken in den Betrieb, Hospitationen, Schnuppertage helfen, Vertrauen aufzubauen und Hemmschwellen abzubauen.
6. Werte leben
- Themen wie Nachhaltigkeit, fairer Umgang, Diversität sind für viele wichtig. Ein Betrieb, der das nur sagt, aber nicht lebt, fällt schnell durchs Raster. Ehrliches Engagement zählt.
- Auch transparente Kommunikation, z. B. zu Arbeitszeiten, Erwartungen, Aufstiegschancen vermeidet Enttäuschungen.
Kurz zusammengefasst: Euer Nutzen als Lehrbetrieb
Wenn ihr in Südtirol ausbildet oder ausbilden wollt, lohnt es sich, über den Tellerrand hinauszuschauen: Es geht nicht nur darum, auszubilden, sondern attraktiv zu sein – als Arbeitgeber, Lernort und Teil des Lebens der Jugendlichen.
Betriebe, die:
- Perspektiven bieten,
- wertschätzend sind,
- flexibel und unterstützend,
- transparent und offen,
die haben gute Chancen, Lehrlinge zu bekommen, denen man etwas bedeutet und die langfristig bleiben.
Hier geht’s zum Download der Studie.
https://astat.provinz.bz.it/de/publikationen/jugendstudie-2021
Foto von Gustavo Fring / Pexels.com

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