Kamera läuft – oder lieber nicht? Videobewerbung für Azubis im Reality-Check

Statt sich hinter dem Word-Dokument „Bewerbung_final_final_neu_3.docx“ zu verstecken, stellen sich viele Jugendliche heute einfach vor die Kamera und sagen: „Hi, ich bin Anna – und ich will bei euch meine Ausbildung machen.“

Videobewerbungen – der große Trend seit ein paar Jahren. Auch 2018 war das Thema in aller Munde.
Nicht zuletzt wegen Plattformen wie Talentcube, Jobufo oder Viasto, die genau dafür einfache Lösungen für Azubis und Arbeitgeber auf den Markt gebracht haben.

Aber wie sinnvoll ist so ein Video wirklich – für Jugendliche und für Unternehmen?
Was funktioniert super, wo hakt’s?
Und was sollte man beachten, wenn man als Ausbildungsbetrieb auf den Videohype aufspringen will?

Wir haben’s uns mal in Ruhe angeschaut. Licht an, Kamera läuft!


⁉️ Was ist überhaupt eine Videobewerbung?

Kurz gesagt:
Statt ein klassisches Anschreiben zu schreiben (oder zusätzlich dazu), nehmen Bewerber*innen ein kurzes Video auf, in dem sie sich vorstellen.

Also z. B.:

  • Wer bin ich?
  • Warum will ich den Beruf lernen?
  • Warum bei euch?
  • Was bringe ich mit?

Das Ganze dauert meist zwischen 60 und 90 Sekunden. Die Aufnahme erfolgt per App oder im Browser, oft direkt über Anbieter wie Talentcube, Jobufo oder U-Form. Kein Schnittprogramm, kein Technik-Studium notwendig.


🎥 Die Anbieter 2018 – Wer ist am Start?

1. Talentcube
➤ App-basierte Bewerbung, Fokus auf Azubis und Berufseinsteiger
➤ Drei vorgegebene Fragen per Video beantworten
➤ Plus: Lebenslauf-Upload, Zeugnisse etc.
➤ Wurde direkt in Jobportale oder Karriere-Websites integriert

2. Jobufo
➤ Sehr niedrigschwellig – Bewerbung per Smartphone in wenigen Minuten
➤ Videoantworten auf einfache Fragen, auch Text- oder Sprachantwort möglich
➤ Starker Fokus auf „Matching“ durch Persönlichkeit und Auftreten
➤ Schnittstelle zu Bewerbermanagement-Systemen

3. Viasto
➤ Eher auf professionelle Video-Interviews ausgerichtet
➤ Wurde vereinzelt auch für Azubi-Recruiting eingesetzt
➤ Besonders für zeitversetzte Interviews beliebt

4. Weitere Plattformen (2018)

  • TalentHero (meinestadt.de) – damals auch mit Video-Feature, inzwischen eingestellt
  • Prescreen & Co. – eher für den Background, um die Technik einzubinden

✅ Die Vorteile – Warum Videobewerbungen (2018) richtig gut ankamen

1. Mehr Persönlichkeit

Ein Video zeigt sofort: Wie tritt jemand auf? Ist da Motivation? Neugier?
Gerade bei Azubis, die noch keine beeindruckenden Lebensläufe haben, zählt der persönliche Eindruck mehr als jede Note.

2. Geringere Hemmschwelle

Ja, viele Jugendliche fanden es damals einfacher, sich kurz per Video vorzustellen, als ein formelles Schreiben zu verfassen.
Die Generation Instagram & YouTube ist schließlich an Kamera und Selfie gewöhnt.

3. Schnelle Vorauswahl für Unternehmen

In 2 Minuten sehen Ausbilder*innen oft mehr als in drei Seiten Bewerbung.
Gerade bei vielen Bewerbungen konnte man schneller erkennen: Wer passt ins Team? Wer wirkt authentisch?

4. Mobile Bewerbung möglich

Dank Apps wie Talentcube & Jobufo konnten sich Jugendliche vom Sofa aus per Handy bewerben. Kein PC, kein Drucker, keine Mappe – ein Riesenvorteil!


❌ Die Nachteile – Warum’s nicht für alle klappt(e)

1. Lampenfieber extrem

Nicht jeder fühlt sich vor der Kamera wohl.
Manche Bewerber
innen waren 2018 schon nervös genug beim Schreiben eines Anschreibens – und sollten dann auch noch souverän in die Kamera reden? Nicht ohne!

2. Technik-Hürden

Auch wenn’s per App geht: Nicht jedes Smartphone ist gleich gut, manchmal hakt die App, das Internet spinnt, das Mikro rauscht.
➡️ Ergebnis: Schlechte Qualität = schlechter Eindruck, obwohl die Person vielleicht super wäre.

3. Nicht barrierefrei

Für Jugendliche mit Sprachproblemen, Behinderungen oder psychischen Einschränkungen war die Videobewerbung oft eine zusätzliche Hürde – statt Vereinfachung.

4. Ungeübte Personaler

Viele Ausbilder wussten 2018 gar nicht, was sie mit einem Bewerbungsvideo anfangen sollen.
Keine Vergleichswerte, kein Bewertungssystem – und die Unsicherheit, ob man sich von sympathischen Videos „blenden“ lässt.


📣 Tipps für Unternehmen – So wird’s kein Videoflop

Wenn du als Ausbildungsbetrieb mit dem Gedanken spielst, Videobewerbungen einzusetzen (bzw. hast es 2018 getan), hier ein paar goldene Regeln:

1. Optional statt Pflicht

Biete das Video als Zusatz an – wer mag, darf. Wer sich schriftlich wohler fühlt, sollte nicht aussortiert werden.

2. Klare Fragen vorgeben

Statt „Erzähl mal was über dich“ lieber konkrete Fragen wie:
„Was interessiert dich an unserem Ausbildungsberuf?“
„Was macht dir in der Schule am meisten Spaß?“
So wird’s greifbarer – und fairer.

3. Zeitlimit setzen

Max. 90 Sekunden – das reicht völlig. So bleibt’s knackig und die Jugendlichen fühlen sich nicht überfordert.

4. Einfache Tools bereitstellen

Verlinke direkt zur passenden App (z. B. Talentcube oder Jobufo), gib Tipps zur Aufnahmequalität (ruhiger Hintergrund, gutes Licht, kurze Sätze).

5. Feedback geben

Wenn jemand den Mut hatte, sich per Video zu bewerben, dann bitte nicht schweigen!
Ein kurzes „Danke fürs Video – wir melden uns“ gehört zum Mindeststandard.


❗ Fazit: Videobewerbung? 2018 auf dem Vormarsch – aber nicht für alle der richtige Weg

Die Videobewerbung war 2018 auf einem klaren Trendkurs – besonders bei digitalen Vorreitern, Handelsketten und Unternehmen, die viel mit jungen Zielgruppen zu tun haben.
Sie machte das Bewerben leichter, moderner, oft sogar persönlicher. Aber: Sie war (und ist) kein Allheilmittel.

Wer Videobewerbungen clever, freiwillig und mit technischer Unterstützung einsetzt, bekommt oft authentischere Einblicke in die Persönlichkeit von Azubis – und gibt gleichzeitig Jugendlichen die Chance, sich von ihrer besten Seite zu zeigen.


Und du so?

Hast du schon mal mit Videobewerbungen gearbeitet – oder vielleicht sogar eine erhalten, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Erzähl’s in den Kommentaren oder auf Social Media unter #VideobewerbungAzubi!

Foto: Julia M Cameron / Pexels.com

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